Ticker: Explosion bei Ariana-Grande-Konzert - NBC: Mindestens 20 Tote

Ticker: Explosion bei Ariana-Grande-Konzert - NBC: Mindestens 20 Tote

Schatten über dem Badeort

- Mai 1933. Was kümmert es die Sonne in Südfrankreich, ob in Deutschland Krieg herrscht? Im Badeörtchen Sanary-sur-mer scheint sie unermüdlich weiter. "Wie stellen Sie sich denn nun eigentlich vor, dass die Geschichte sich bewegt?", schimpft Gottfried Benn in der Deutschen Allgemeinen Zeitung. "Meinen Sie, sie sei in französischen Badeorten besonders tätig?" Angesprochen sind Schriftsteller wie Klaus Mann, Lion Feuchtwanger oder Franz Werfel. Doch die sind nicht zur Sommerfrische an der Cô^te d'Azur - auf der unsichtbaren Wolke, die sie überschattet, steht "Exil".

"Papierkrieg", "Katastrophen", "Fluchtgepäck" werden die nächsten Stationen der meisten deutschen Exilanten heißen. So überschreibt auch die Münchner Monacensia ihre wertvoll bestückten Vitrinen im letzten Raum der Ausstellung "Exil am Mittelmeer. Deutsche Schriftsteller in Südfrankreich 1933 bis 1941". In einer chronologischen Vielzahl von Originaldokumenten - Fotos, Briefen, Tagebüchern, zumeist aus eigenem Besitz - führt sie den Besucher sehr nah an die sich verschärfende Situation rund um den Fluchtpunkt Marseille.<BR><BR>Mit der deutschen Besetzung Nordfrankreichs ist es aus mit der anfänglich noch entspannten Atmosphäre. Die nun feindlichen deutschen Emigranten, die "ressortissants ennemis", werden in Internierungslager gebracht. In "Les Milles" bei Aix-en-Provence nimmt sich Walter Hasenclever kurz vor der Deportation nach Polen das Leben. "Wer nicht en règle ist, wäre besser nicht geboren! Klar?" Was Franz Werfel im Drama "Jacobowsky und der Oberst" schreibt, ist Autobiografie. Im Juni 1940 flieht er mit Alma Mahler von Marseille nach Bordeaux. Ein "Schutzengel" erscheint im August 1940 am südfranzösischen Himmel; er heißt Varian Fry und kommt von den amerikanischen "Emergency Rescue Committees", einer Organisation, die namhafte Europäer bei der Flucht unterstützte und der etwa Thomas und Erika Mann angehörten. Fry beschafft Unterstützungsgelder, falsche Pässe, Fluchtmöglichkeiten. Mit seiner Hilfe finden 1200 Menschen in die Freiheit, darunter Feuchtwanger, Polgar, Max Ernst, Heinrich Mann, André Breton.<BR><BR>1200 Menschen finden in die Freiheit<BR><BR>Drei Wege führen sie ins nächste Exil, das Lissabon, Martinique, auch New York heißen konnte: zu Wasser, eingepfercht im Unterdeck, zu Fuß auf beschwerlichem Weg über die Pyrenäen oder per Eisenbahn unter dem Risiko, von der französischen Grenzpolizei entdeckt zu werden. Abenteuerlich lesen sich die Fluchtrouten aus dem "Hexenkessel Marseille" heraus; die sonnige Zeit auf dem Jahrmarkt in Sanary mag den meisten zu diesem Zeitpunkt wie ein Märchen aus guten Zeiten vorgekommen sein. <P>Bis 18. November. Mo.-Mi. 9-17 Uhr, Do. 10-19 Uhr, Fr. 9-15 Uhr. Info: www.muenchen.de/monacensia. <BR>Das Begleitbuch kostet 26 Euro.<BR></P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Der König ist tot, es lebe der König! Was Elvis Presley zu Lebzeiten nie schaffte, nämlich ein Konzert in München zu geben, das holte er jetzt nach: die Konzertkritik …
Elvis bebt - und Priscilla ist der PR-Gag: Konzertkritik zu „The Wonder of You“
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Zum neunten Mal bietet der Münchner Merkur in Zusammenarbeit mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein Konzertabo an. Vier hochkarätig besetzte Abende …
Das Merkur-Konzertabo für unsere Leser
Klaus Florian Vogt: „Ich bin gerne in einer anderen Welt“
Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt steht vor dem härtesten Brocken seiner Karriere: Am Sonntag debütiert er als Tannhäuser - dies in einer Neuproduktion an der Bayerischen …
Klaus Florian Vogt: „Ich bin gerne in einer anderen Welt“

Kommentare