Schau, hör, tu

Salzburg - Kinder sollte man unbedingt in diese Ausstellung mitnehmen - und sollte selbst im Herzen Kind geblieben sein. Denn die Schau "Sound of Art - Musik in der bildenden Kunst" im Salzburger Museum der Moderne Mönchsberg ist auch eine "Hör" und eine "Tu".

Die dritte Präsentation in der Reihe "Les Grands Spectacles" - nach "Massenkultur" 2005 und "Theater" 2006 - lädt zum Hören, Sehen und Mitmachen ein. Man hat noch längst kein einziges Kunstwerk vor Augen, da sirent, rumpelt und krakeelt es schon durch die Säle des Museums hoch oben über der Stadt.

Musik, Klänge und Töne - nichts ist hier hehr, lieblich oder gar Festival-protzig. Dennoch haben die Kuratorinnen Brigitte Felderer und Eleonora Louis allerhand berühmte Namen aus der jüngeren Kunstgeschichte aufgeboten. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem 20. Jahrhundert. So mancher heute ältere Herr war (und ist bisweilen) ein frecher, flotter Feger.

Etwa Günther Uecker (Jahrgang 1930), dessen "Terrororchester" aus den 60er-Jahren ein wahres Höllenspektakel aus Tröte, Waschmaschine, Falle oder Ölfass ertönen lässt - betätigt man nur selbst die Knöpfe. Der Besucher wird Nutzer und Teil dieser vielteiligen Chaosmaschine. Was am Anfang der Ausstellung brachial beginnt, endet im obersten Geschoss ganz zart bei Joe Jones' Saiten-Orchester (1972-1988) zwischen Zither und Banjo, die man sanft zum Klingen bringen darf. Hier zirpt verträumte Sphärenmusik von schwarz gestrichenen Instrumenten. So oder so, das "Grand Spectacle" versetzt einen zurück in die seligen Tage des "Fluxus"; und wer damals noch nicht lebte, erfährt eine Zeitreise in die verrückte Aufbruchsphase der 60er-/70er-Jahre, die Dada (und Futurismus) der Vorkriegszeit reanimierte und der heutigen Kunst den Weg entscheidend ebnete. Performances und Happenings waren angesagt, Berühmtheiten wie Joseph Beuys, Nam June Paik, Yoko Ono oder Daniel Spoerri zogen ihre Show ab. Humor war Trumpf.

Deswegen bäumt sich bei Wolf Vostell eine Ducati vor dem Piano auf oder graben sich in die Tasten-Zähne Kettensägen (1994). Trotzdem können diese martialischen Klavierhass-Skulpturen nicht mit Vostells strammer Phalanx von Putzgeräten mithalten. Wenn die "Fluxus-Symphony für 50 Hoover-Staubsauger" (1960), allesamt fein-säuberlich aufgereiht, losdröhnt, fliegen einem die Ohren ab. Offenbar löst Musik bei vielen bildenden Künstlern Aggressionen aus. Nicht nur die Tasteninstrumente werden malträtiert, auch so manche Geige wird zersägt. Düstere Erinnerungen an missglückte Musikerziehung mögen da mitspielen oder etwas Neid auf die Kollegen von der Zunft der angebeteten Künstlervirtuosen.

Deswegen macht die Ausstellung einen Schlenker hin zur Hausmusik und zum Geniekult - Beispiele: Paganini und Beethoven. Adoration und Satire mischen sich munter. Neben Max Klingers berühmter Beethoven-Statue (kleine Version) finden sich zahlreiche Karikaturen inklusive Wilhelm Buschs grandioser Zeichnungsserie. Wer hat je die Tastenraserei so erfasst? Karl Valentin darf in diesem Kreis nicht fehlen - Musik-Liebhaber und Musik-Desillusionierer in einem. Von seinem "Orchesterproben"-Film sind die Museumsbesucher nicht wegzukriegen.

Dass weich schwingende Instrumenten-Körper an fleischliche Rundungen erinnern, verhüllt die Exposition natürlich nicht. Berühmt nicht nur Man Rays Foto einer Violinen-Frau, Rückenakt mit f-Löchern (1924), sondern auch Charlotte Moorman. 1967 spielte die Cellistin in New York halbnackt Paiks "Opera sextronique", was prompt die Polizei auf den Plan rief. Viele Fotografien in der Schau huldigen ihr und vielen anderen Fluxus-Aktionen, die nur noch so und durch ein paar Requisiten in der Erinnerung lebendig werden können. Lebendig sind aber neuere Versuche, Mensch, Musik und Instrument zu porträtieren. William Hunt zeigt zum Beispiel mit Installation/Video (2008) groteske Piano-Akrobatik, und Peter Land walzt den Genuss des Applauses und Verbeugens aus (1998).

Avantgarde-Größen wie Mauricio Kagel (Film "Ludwig van") und John Cage, die auf ihre Weise die verschiedenen Künste zusammengeführt haben - und das geht nicht ohne viel Humor -, werden in "Sound of Art" ebenfalls gewürdigt. Besonders schön, dass man per Film Cages "4´33´´", jenes dreisätzige lautlose Werk von 1952, erleben darf. In all dem Lärm ein wohltätiger Genuss - komponierte Stille in Salzburg, der Stadt des musikalischen und touristischen Rummels.

Bis 12. Oktober,

tägl. 10-18 Uhr bis 31.8., dann Mo. geschl.; Tel. 0043/ 662/ 84 22 20 403, Katalog: 33 Euro.

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