+
Geschichten für Kinder ab vier Jahren, erzählt von Meisi von der Sonnau, Panos Papageorgiou und dem Frosch.

Schauburg-Premiere: Das Auf und Ab des Alltags

München - Die Schauburg zeigt Meisi von der Sonnau und Panos Papageorgiou mit „Frosch und die Anderen“. Hier die Premierenkritik:

„Erzähl’ mir eine Geschichte“ – wenn Kinder ihre heute meist nicht mehr so erzähl-fitten Eltern (Omas und Opas sind das noch eher) mit diesem Wunsch bestürmen, können Meisi von der Sonnau und Panos Papageorgiou abhelfen: Hoch unterm Dach der Münchner Schauburg/Theater der Jugend (TdJ) spielt das „Theater Pappmaché“-Duo mit kleinen Tierfiguren „Frosch und die Anderen“. Es sind Geschichten des holländischen Illustrators Max Velthuijs, die in der zarten Bilderbuch-Inszenierung/Ausstattung von TdJ-Chef George Podt kleinen Menschen ab vier Jahren auf klug heitere Art ernste Fragen des Lebens beantworten.

Die Tage sind schön – und Frosch, Ente, Schweinchen und Hase wohnen friedlich in ihrem schmucken bunten Spielzeug-Dörfchen. Doch Probleme gibt’s auch hier: Der grüne Hüpfer möchte nämlich fliegen können wie Ente – stürzt aber kläglich ab mit seinen selbst gebastelten Papierflügeln. Und lernt von seinen Freunden – „Wir können ja auch nicht alles!“ –, mit sich als Frosch zufrieden zu sein (dies auch kein schlechter Tipp für ältere Jahrgänge...).

Mit einfühlsamer Ruhe geben die beiden Puppenspieler ihren Protagonisten Stimme, lassen sie mit Fingerfertigkeit wie Spieluhr-Figuren in die Türrahmen ihrer Häuschen treten und bewegen sie per Hand, trippel, trippel, trippel, über den Dorfplatz, für den ein schlichter Tisch genügt. Wenn Panos Papageorgiou mit sanftem Fingerdruck den Kopf des Grünlings über die Tischkante biegt, dann betrachtet der tatsächlich sein Spiegelbild im tiefer gelegenen Teich. Die Trennung von Spieler und Figur ist magisch aufgehoben, und man folgt gebannt, was sonst noch bei den Freunden passiert: Sie finden eine starr daliegende Amsel – und erfahren den Tod. Begräbnis, Trauer und auch wieder Fröhlichkeit mit einer Überraschungs-Geburtstagsparty für Frosch: Girlanden leuchten oben, kerzenbestückte Minitorte ist gleich auf den Tisch gezaubert. Aber dann schon wieder Angst und Schrecken vor der zugewanderten Ratte, die erst einmal, mit allen Vorurteilen – sie lügt, sie stiehlt –, ausgegrenzt wird. Bis die Zuwanderin handwerklich geschickt das abgebrannte Haus von Schweinchen wieder repariert, und schließlich alle miteinander Arm in Arm Sirtaki tanzen.

Mit diesen sehr menschlichen Tierfiguren erlebt man das Auf und Ab des Alltags, mit seinem Kummer, seinem Schmerz, seiner Einsamkeit, in dem aber auch Einsicht, Mitgefühl, Freude und Freundschaft möglich sind. Besser hätte sie nicht umgesetzt werden können: Max Velthuijs’ so richtige Erkenntnis „Kinder sind Menschen wie Erwachsene. Nur ein bisschen kleiner“.

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen

8./ 11. 11., 9.15/ 10.30 Uhr; 10. 11., 18.30 Uhr; 12. 11., 16 Uhr; 16. 11., 14.30 Uhr; Karten unter der Nummer 089/ 233 371 55.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Blind sind die anderen
Saliya Kahawatte hat 15 Jahre in einem Hotel gearbeitet, obwohl er kaum sehen kann – von den Vorgesetzten unbemerkt.
Blind sind die anderen
Der Rest ist – Jubel
München - Hausregisseur Christopher Rüping glückte an den Münchner Kammerspielen eine hochkonzentrierte Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“. Lesen Sie hier unsere …
Der Rest ist – Jubel
Unser Soul-Arbeiter
Lee Fields brachte den Club Ampere zum Dampfen
Unser Soul-Arbeiter
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten
Jempten - Falco wäre im Februar 60 Jahre alt geworden. Er starb jung, doch seine Hits wie „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny“ begeistern die Menschen noch immer.
„Falco - Das Musical“: Gelungene Premiere in Kempten

Kommentare