Schaulaufen: Matthes und Harfouch am Residenztheater

- "Was für ein Loch!", tönt Martha alias Corinna Harfouch auf der Bühne des Münchner Residenztheaters. In der Tat hat Ausstatter Johannes Schütz für Edward Albees Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" mit nur ein paar gespannten Fäden den Zimmer-Kubus markiert, bestückt mit Klapptisch, vier Stapelstühlen und diversen Schnapsflaschen. Trotzdem wollten allzu viele am Wochenende das Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin mit den Stars Harfouch und Ulrich Matthes sehen (Premiere November 2004), sodass die "Suche Karte"-Gruppe Mannschaftsstärke annahm.

Wirklich Großes versäumt hat sie - das zum Trost - aber nicht. Bis auf Matthes (George). Ihn nach seiner hiesigen Jungspund-Zeit in München wiederzusehen als gereiften, nuancenreichen, wohl dosierenden Schauspieler, war eine reine Freude. Er allein gibt Jürgen Goschs solider, gradliniger, bisweilen langatmiger Inszenierung dieser berühmten Ehe- und Kollegen-Folter in College-Kreisen Tiefe und Mehrschichtigkeit. Matthes verwandelt den als "Verlierer" gedemütigten Historiker zum sadistischen "Sieger" nicht nur über seine Frau Martha, sondern auch über das zunächst ahnungslose Paar Honey (Katharina Schmalenberg) und Nick (Alexander Khuon). Und zeigt zugleich, dass dieser Sieg die eigentliche menschliche Niederlage ist.

Im schauspielerischen Schaulaufen trumpft Harfouch als boshafte, verzweifelte, sexuell provozierende Säuferin auf. In ein wahrhaftiges Inneres lässt sie freilich nie schauen. Die beiden Jungen haben es bei keiner Inszenierung des Stücks leicht. Und Gosch bemüht sich gar nicht erst sonderlich um sie. So schlägt sich Khuon irgendwie als der hochbegabte Biologe durch, den die beiden Älteren mal als Waffe, um einander zu verletzen, mal als Punchingball benutzen. Schmalenberg als dessen Frau kann ihrem Neurosen-Geschöpf nur in einem skurrilen kleinen Ballett Kontur verleihen. - Herzlicher Applaus.

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