Schauriges Inferno

- Nur die Geister von densölben spuken noch in den Gewölben - tatsächlich: Das Souterrain der gewölbten Säle des Bayerischen Nationalmuseums bot der Unterwelt-Geschichte um Orpheus und Eurydike atmosphärische Heimstatt: Steinmassige Bögen, fahles Licht und brennende Kerzen warfen einen Hauch von "Gothic" über die Szenerie.

<P>Der Initiator und künstlerische Leiter des Projekts, Wolfgang Wirsching, hatte also Anlass, sich vor Beginn der Opernadapation nach Christoph Willibald Gluck (Inszenierung: Matthias Fischer) eloquent bei den Verantwortlichen seitens des Museums zu bedanken, die die Wiederaufnahme des Stücks an neuem Ort möglich gemacht hatten.</P><P>Inspiriert vom Genius loci ging man sodann ans Werk. Das Gluck'sche Opernorchester - in dieser Bearbeitung reduziert auf die erstaunlich ausdrucksstarke Besetzung Flöte, Akkordeon und Klavier - spielte von einer kleinen Empore unter einem Seitengewölbe herab; insbesondere die dunklen Akkordeonklänge von Angeliki Koufou erreichten, durch den halligen Raum verstärkt, eine bedrohliche Intensität etwa beim unbarmherzigen "Nein", das die Geister der Unterwelt Orpheus entgegenschleudern, wenn er um Durchlass bittet. </P><P>Jutta Lehner verlieh dem Helden des Stücks mit klarem, stetig geführtem Mezzo die nötige Expressivität. Konstanze Ehlers als Eurydike und Cornelia Lindner als Amor fügten sich gut dazu, hatten aber mehr mit den Tücken zu kämpfen, die die heikle Akustik in puncto Zusammenspiel und Intonation bereithielt. </P><P><BR>Von Wolfgang Wirsching aus einem Eck heraus dirigiert, war "DER CHOR" als infernalische Meute engagiert und mit sichtlicher Freude bei der Sache. Dass im Eifer des Gefechts der eine oder andere Einsatz ein bisschen wackeln mochte, verlieh der Unternehmung eine charmante Unvollkommenheit.</P><P>Am Ende hallten die ehrwürdigen Gewölbe von Applaus und Begeisterungspfiffen wider - fast glaubte man, einer ausgelassenen Familienfeier beizuwohnen. </P>

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