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Kehrt wieder zum Grusel-Thema zurück: Anthony Hopkins, hier bei der Filmpremiere in Mexiko, spielt in „The Rite – Das Ritual“ einen unheimlichen Exorzisten.

Schauspieler Anthony Hopkins über „The Rite - Das Ritual“

München - Er hat schon alles Mögliche gespielt - vom Butler („Was vom Tage übrig blieb") über den Uni-Professor („Der menschliche Makel") bis zum US-Präsidenten („Nixon").

Unsterblich geworden ist Anthony Hopkins jedoch als populärster Filmschurke aller Zeiten: als kannibalischer Killer Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer". Ab Donnerstag ist der 73-jährige Oscar-Preisträger in der Rolle eines diabolischen Exorzisten in dem Thriller „The Rite - Das Ritual“ zu sehen.

-Sie wollten doch eigentlich weg von Ihrem Killer-Image. Nun verkörpern Sie aber wieder so eine furchteinflößende Figur…

Ja, und genau deswegen wollte ich mich mit dem Drehbuch erst gar nicht beschäftigen. Doch meine Frau las es, fand es gut und legte es mir ans Herz. Mir gefiel es auch, und so stimmte ich einem Treffen mit Regisseur Mikael Hafström zu. Er erklärte mir, er wolle keinen effekthascherischen Horrorfilm drehen, sondern sich auf die Geschichte und ihre Figuren konzentrieren - und eine Atmosphäre schaffen, in der sich das Kinopublikum ordentlich gruselt. Das hat mich überzeugt.

-Wie schaffen Sie es, den Zuschauern immer solche Angst einzujagen?

Keine Ahnung, ehrlich. Diese Frage habe ich mir selbst auch schon oft gestellt. Im richtigen Leben bin ich nämlich gar nicht so furchterregend. Fragen Sie meine Frau - die hat überhaupt keine Angst vor mir. Bei uns daheim ist es eher umgekehrt: Ich habe Angst vor ihr! (Lacht.)

-Glauben Sie an die Dinge, von denen der Film handelt? Teufel, Besessenheit, Geisterbeschwörung?

Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Vor Jahren kannte ich einen klugen, netten Kerl, der sich plötzlich in einen boshaften, besessenen Menschen verwandelte - und irgendwann dachte, er wäre ein Priester. Kam das durch Drogen? Oder durch eine Nervenkrankheit? Colin O’Donoghue, mein Leinwand-Partner in „The Rite“, hat als Zeuge eines Exorzismus erlebt, wie eine reizende ältere Nonne anfing zu spucken und zu fluchen. Lassen sich solche Phänomene rational erklären? Keine Ahnung.

-Haben Sie selbst zur Vorbereitung auch an einem Exorzismus teilgenommen?

Nein. Ich bin bloß ein einfacher Schauspieler, der seinen Text lernt und pünktlich am Set erscheint. Alles andere interessiert mich nicht. Ich halte nichts davon, Dinge aufzublasen und überall Geheimnisse hineinzuinterpretieren. Ich stehe dazu, dass ich ein sehr oberflächlicher Mensch bin. Wir alle bilden uns gern ein, wir hätten mordsmäßigen Tiefgang. Aber letztlich geht es doch bloß darum, sich morgens aus dem Bett zu quälen und den Tag zu überstehen. Tiefer wird’s nicht!

-Sind Sie religiös erzogen worden?

Nein. Mein Vater war Atheist, und das war ich als junger Mensch auch. Erst später dämmerte mir, dass es wohl etwas geben mag, was über meinen Verstand hinausgeht - eine Art göttliche Kraft. Ich finde es ignorant und dumm, Religionen zu verdammen. Schließlich kennt keiner die Wahrheit - auch der Klügste nicht. Leute, die das Gegenteil behaupten, sind gefährliche Lügner, Betrüger und Bösewichte. Denken Sie nur an Hitler, Stalin oder Mao: Sie gaben vor, die Wahrheit zu kennen - und brachten verheerendes Leid über die Menschheit.

-Jetzt klingen Sie selbst sehr weise.

Ach was! Sokrates war weise, als er sagte: „Ich weiß nur, dass ich nichts weiß.“ So ist es. Wir wissen nichts. Wir können nur unseren Frieden mit der Welt machen. Wenn ich mich rasiere und im Spiegel sehe, dass mein Gesicht älter wird und ich mich dem Ende meines Lebens nähere, dann sage ich mir: „Pfeif’ drauf! Genieß’ es, so lange es geht! Mach’ das Beste draus!“ Wir müssen lernen loszulassen, entspannter zu werden und uns von falschen Hoffnungen zu verabschieden. Erwarte nichts, fordere nichts und akzeptiere alles - dann ist dein Leben wunderbar!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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