Schauspieler Pinkas Braun 85-jährig gestorben

Berlin/München/Zürich - Der Schweizer Schauspieler Pinkas Braun war einer der vielseitigsten und gefragtesten Charakterdarsteller in der Nachkriegszeit im deutschsprachigen Raum - ob auf der Bühne, der Kinoleinwand, dem Bildschirm oder im Hörspielstudio.

Am Dienstag ist der Schauspieler mit der markanten Stimme und dem geheimnisvollen Gesichtsausdruck im Alter von 85 Jahren in München gestorben, wie sein Verlag Nagel & Kimche in Zürich mitteilte.

Die letzten Jahre seines Lebens verfasste Braun die Erinnerungen seiner Kindheit und Jugend. In dem Buch "Vorspiel. Eine Jugend - ein Bühnenleben" erzählt er von den Gefährdungen als jüdischer Junge in Zürich während des Krieges, von seiner Ausbildung zum Schauspieler und von der Regieassistenz bei Bertolt Brecht.

Der am 7. Januar 1923 in Zürich geborene Braun gehörte bis 1956 zum Ensemble des Zürcher Schauspielhauses, wo er bei zahlreichen Premieren und Uraufführungen unter anderem von Brecht, Borchert, Frisch und Dürrenmatt mitwirkte. Später spielte Braun an allen bedeutenden deutschsprachigen Theatern und in Israel, unter anderem am Wiener Burgtheater oder dem Hamburger Thalia-Theater. Eine seiner bedeutendsten und ihm auch liebsten Rollen war der Shylock in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig".

Auch auf Theatertourneen füllte Pinkas Braun die Säle. Einem größeren Publikum wurde Pinkas Braun durch Rollen in zahlreichen Kinofilmen wie den Edgar-Wallace-Krimis und in über 120 Fernsehspielen und -Serien bekannt - nicht selten als eleganter Herr, als undurchsichtig-zwielichtiger Typ oder auch als "simpler Bösewicht".

Auf der Leinwand sah man Pinkas Braun in der Nachkriegszeit unter anderem in "Himmel ohne Sterne" (1955) oder in Kurt Hoffmanns "Wir Wunderkinder" (1958) und in Bernhard Wickis märchenhaft- gesellschaftskritischer Satire "Das Wunder des Malachias" (1960). Das Fernsehen wollte ebenfalls nicht auf Brauns darstellerische Fähigkeiten mit den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten verzichten, so 1976 in der "Frau in Weiß" mit Heidelinde Weis, "Der Winter, der ein Sommer war" nach Sandra Paretti und in den 80er Jahren in der TV- Serie "Jauche und Levkojen" nach Christine Brückner und in der Familienserie "Alle meine Töchter" (1996).

Seine markante Stimme machte Braun zum Stammgast in den Hörspielstudios wie zum Beispiel bei Umberto Ecos Bestseller "Der Name der Rose". Braun trat auch als Übersetzer hervor und setzte sich früh für die Theaterstücke des amerikanischen Dramatikers Edward Albee ein. So wurde die deutsche Fassung von Albees "Zoogeschichte" 1960 auf seine Initiative in der Werkstatt des Berliner Schillertheaters uraufgeführt.

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