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Warum ins Internet schweifen, wenn die Liebe so nah liegt? Auch wenn Anton (Marc Benjamin) und Teresa (Alicia von Rittberg) wie ein verliebtes Pärchen wirken, sind sie noch auf der Suche nach dem Traumpartner. Über eine App.

Interview zum Kinostart von „Rate your Date“

Alicia von Rittberg: „Mich reizen die Extreme“

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Alicia von Rittberg hat mit ihren 25 Jahren bereits eine beeindruckende Filmografie. Selbst mit Brad Pitt stand sie in „Herz aus Stahl“ schon vor der Kamera. „Charité“, „Lotte am Bauhaus“, „Die Hebamme“ – es sind ernsthafte Stoffe, mit denen sich die Münchnerin bisher befasste. Jetzt läuft ihr neuer Film „Rate your Date“ an, ihre erste Komödie.

In David Dietls „Rate your Date“ spielt Alicia von Rittberg die junge Teresa, die eine App entwickelt, in der Singles ehrlich bewertet werden – mit all ihren Peinlichkeiten. Bei unserem Interview zeigt sich, dass von Rittberg selbst eine herzerfrischend lustige, unkomplizierte Frau ist.

Trafen sich in München zum Gespräch: Alicia von Rittberg (li.) und Feuilleton-Redakteurin Katja Kraft. 

Ihre erste Komödie! Wie war’s?

Alicia von Rittberg: Aufregend! Bei Komik musst du ja besonders genau im Timing sein, damit ein Witz funktioniert. Das hat mich motiviert, an meine Grenzen zu gehen. Die Teresa, die ich spiele, ist sehr offen und hat, nun ja, starke Dating-Erfahrung. Da hieß es dann auszuprobieren, wie es ist, einfach mal jede Person, die man trifft, anzuzwinkern.

Macht Spaß, oder?

von Rittberg: Jaaahaa, aber man kriegt auch komische Reaktionen. Man kann das schon mal ’n Tag machen, ist auf jeden Fall ganz lustig!

Sie haben schon viel gedreht, waren aber nie auf der Schauspielschule. Hätten Sie Lust darauf, um noch mehr neue Facetten auszuprobieren?

von Rittberg: Lange hatte ich nicht das Gefühl, dass ich noch auf eine Schauspielschule möchte. Beziehungsweise hatte ich tatsächlich Angst davor, dass ich mir dadurch meinen Instinkt kaputtmache, wenn es zu technisch wird. Aber mittlerweile bin ich an einem Punkt, an dem ich sehe, wie sehr diese Technik, wenn man sie gut beigebracht bekommt, helfen kann. Etwa in Sachen Reproduzierbarkeit. Dass man Sachen mehrmals spielt und sie gleich gut bleiben. Ich habe Lust, mir das durch Coachings anzueignen.

Ihre erste Komödie handelt vom Kennenlernen im Internet. Jetzt müssen wir natürlich auch über Dating sprechen.

von Rittberg: Genau in dem Moment, in dem mein Handy klingelt. Jetzt fragen Sie sich: Welches Date hat sich da gerade gemeldet?

Und ich frage mich, welche Peinlichkeit Sie schon bei einem Date erlebt haben, die Sie in einer App, wie sie im Film vorkommt, angeben würden?

von Rittberg: Also, wenn ich etwas Peinliches bei einem Date erlebt hätte, würde ich alles andere tun, als es irgendwo anzugeben. (Lacht.) Aber ja, ich habe schon mal etwas Peinliches bei einer Verabredung erlebt. Beim Abschlussball meines Tanzkurses. Da konnte man einen Salto machen, musste man aber nicht. Mein Tanzpartner und ich waren so motiviert und dachten: Ach, der Abend gehört uns, wir machen den Salto! Ist ordentlich schiefgegangen. Wir lagen beide auf dem Boden, er halb unter meinem Kleid. Das war so peinlich, alle Eltern saßen drum herum. Der Horror!

Würden Sie überhaupt eine Dating-App nutzen?

von Rittberg: Ich bin fasziniert von diesen Apps. Online-Dating hört sich so unverbindlich und nach schnellem Abenteuer an, aber ich habe viele Freunde, die sich darüber kennengelernt haben. Ich selbst möchte Menschen lieber über den ersten Eindruck auf mich wirken lassen als durch ein Profil, in dem sie sich so darstellen, wie sie sich selbst gern sehen. Das Schönste wäre, jemanden komplett außerhalb der digitalen Welt kennenzulernen. Ganz unkompliziert, im Englischen Garten bei schönem Wetter, so völlig ohne irgendwas Aufgesetztes. Aber das ist wohl eine veraltete, romantische Vorstellung.

Für Sie ist es vermutlich ohnehin schwierig, mit Ihrem Namen in einer solchen App aufzutauchen...

von Rittberg: Na ja, ich glaube, da gibt es andere, die damit, dass man sie kennt, größere Probleme haben. Ich kann sehr entspannt unerkannt zum Bäcker gehen, insofern könnte ich auch sehr entspannt unerkannt auf einer Dating-App rumschwirren.

Das ist tiefes Stapeln. Sie haben auch international Kino gemacht. Nervt es Sie eigentlich, auf Brad Pitt angesprochen zu werden?

von Rittberg: Sagen wir so: Ich finde es spannend, dass der Dreh für viele so spannend ist. Denn ich finde, dass man in Deutschland genauso konzentriert arbeiten kann und dass wir genauso herausragende Schauspieler haben wie in den USA.

Sind wir da in Deutschland zu wenig selbstbewusst?

von Rittberg: Ja, auf jeden Fall! Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir uns lieber Stars aus dem Ausland holen, als unsere eigenen Leute zu feiern. Ich fände es schön, wenn man sich im eigenen Land da mehr unterstützt.

Sind Sie selbst Fan eines Schauspielers, dem oder der Sie nacheifern?

von Rittberg: Nein, ich bin nie – wie sagt man so schön? – Starstruck gewesen(Person, die Prominente bewundert; Anm. d. Red.). Ich habe meist erst eine Bewunderung für jemanden aufgebaut, wenn ich mit ihm gearbeitet habe. Ich bin kein Fan davon, sich ein Vorbild zu nehmen. Lieber für sich stehen und einen eigenen Weg gehen.

Wie gehen Sie Ihren Weg? Wie kam es dazu zu sagen: jetzt Komödie!

von Rittberg: Es reizt natürlich immer das, was noch nicht da war. Im Moment finde ich Extreme sehr anziehend.

Das heißt, wir sehen Sie bald im Horrorfilm?

von Rittberg: Das wäre sehr cool. Ich würde gern Extremsport machen müssen für eine Rolle. Ich würde gern extrem verrückt sein, extreme Abgründe, extreme Höhen zeigen.

Bei „Rate your Date“ waren Sie beim Konstellationscasting für die Rolle...

von Rittberg: Ja, ich hatte das Glück, dass ich eine der Ersten war, die wussten, dass sie dabei sind. Dann darf man die anderen mitcasten. Das heißt, ich spiele mit den möglichen Kandidaten. Und plötzlich wird dir klar, dass es beim Casting nicht unbedingt darum geht, dass Personen schlechter oder besser sind, sondern dass es so oft einfach auf den Typ ankommt.

Ähnlich wie beim Daten.

von Rittberg: Ähnlich wie beim Daten! Man hat alles gegeben, aber es hat nicht sollen sein. (Lacht.)

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