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„Ein Transit-Ort, an dem man umsteigt – auch im übertragenen Sinn“ : Anna Drexler in ihrer vorletzten Münchner Kammerspiele-Produktion.

Interview zur Kammerspiele-Premiere

Anna Drexler: „Ich brenne hier nicht“

München - Theater dürfe einen nicht nur intellektuell beschäftigen, findet Schauspielerin Anna Drexler. Auch das ist ein Grund, warum sie die Münchner Kammerspiele verlässt. An diesem Samstag hat sie ihre vorletzte Premiere im Haus an der Maximilianstraße.

Sie war die Entdeckung des Jahres 2013: als Einspringerin im „Onkel Wanja“ wurde Anna Drexler von der Falckenberg-Schule weg an die Münchner Kammerspiele engagiert. Im München-„Tatort“ mit dem Titel „Einmal wirklich sterben“ begeisterte sie die Fernsehzuschauer. Dass dieses Ausnahmetalent kürzlich – wie Brigitte Hobmeier – an den Kammerspielen kündigte, ist ein schmerzlicher Verlust. An diesem Samstag hat Anna Drexler ihre vorletzte Premiere an diesem Haus in Toshiki Okadas Stück „Nō Theater“.

Was kriegen wir denn zu sehen?

Also das Bühnenbild stellt einen U-Bahnhof dar, einen Transit-Ort quasi, an dem man umsteigt – auch im übertragenen Sinn...

Apropos umsteigen: Wir sind alle sehr traurig, dass Sie die Kammerspiele verlassen. Haben Sie sich gut überlegt, was Sie dem Münchner Publikum da antun?

Das ehrt mich, dass Sie das sagen, aber ich hab’s mir schon gut überlegt. Ich war noch nie so sehr damit konfrontiert wie in den letzten Monaten, dass ich für mich selbst formulieren muss, was ich mir im Theater wünsche. Das war eine aufreibende Zeit. Und da bin ich auf den Punkt gekommen, dass meine Sehnsucht gerade woanders liegt. Das ist für mich gut, dass sich das konkretisiert hat.

Wo liegt Ihre Sehnsucht gerade?

Ich brenne hier nicht. Ich habe das schon in Arbeiten erlebt, dass man während Proben denkt: In dem, was wir hier machen, steckt alles drin, alle Fragen, das große Ganze. Diese Art von Verdichtung, die fehlt mir, aber ohne die kann ich nicht arbeiten. Ich wünsche mir, dass mich Theater nicht nur intellektuell anspricht, sondern dass man es erlebt, wie man Musik erleben kann: Es soll einen treffen, aber auf eine ganz andere Art als nur vernunftmäßig. Das ist es, was mich tatsächlich bewegt. Das geht bei mir nicht über den Kopf. Was mich wirklich schüttelt, ist was anderes.

Ist „Nō Theater“ ein echtes Stück oder doch eher eine sogenannte Performance?

Schlagwort-Begriffe wie „Performance“ finde ich zu schwammig, zu unscharf, die sollte man verabschieden in dieser Debatte. Ich würde sagen: Das, was wir da aufführen, ist ein Theaterstück. Der Regisseur Toshiki Okada hat einen Text geschrieben, und es gibt darin verschiedene Figuren.

Wen spielen Sie?

Im Mittelteil, der wie im traditionellen Nō-Theater eher komödiantisch ist, wo ich also das Publikum quasi bespaßen soll, spiele ich eine Schauspielerin, die eine Rolle aus „Hamlet“ einstudiert und darüber redet. Das ist wirklich ein sehr schöner Text. Und im dritten Teil spiele ich einen Geist, den Geist des Feminismus.

Oho, wie spielt man den?

Das ist wirklich eine spannende Aufgabe. Ich habe zuerst überlegt, wie man sich den Feminismus oder eine Feministin klischeehaft vorstellt: vielleicht eher grau, verbittert, wutbeladen. Das ist natürlich sehr stark heruntergebrochen und nicht sehr reizvoll. Darum dachte ich mir, ich spiele es bewusst anders, also sinnlich, lustvoll.

Was hat das Stück mit dem traditionellen japanischen Nō-Theater zu tun?

Diese Theaterform hat eine sehr strenge Struktur, sie besteht aus drei Teilen. Und ganz wichtig ist: Es treten Geister auf. Toshiki Okada hat uns erklärt, dass er nur diese äußere Struktur des Nō-Theaters übernimmt, nicht die Inhalte oder die Geschichte. Wir haben uns noch vor Beginn der Proben auch die Vorstellung eines japanischen Nō-Künstlers angesehen, der mit Musikern auftrat. Wir sind nach Moosach gefahren, durch dunkle Straßen zu einem kleinen Haus, und da findet tatsächlich Nō-Theater statt. Das ist wirklich merkwürdig. Und ich musste das dann doch sehr komisch finden, manchmal. Ich konnte es mir nicht verkneifen, auch zu lachen. Man wusste nicht: Ist das jetzt etwas ganz Großartiges oder ist es gar nichts? Ich hoffe jedenfalls, es klappt, dass man auch in unserer Aufführung entführt wird, wie es so schön heißt, in diese seltsame, wirklich skurrile Atmosphäre.

Wie geht es jetzt weiter? Sie haben doch sicher schon viele Angebote bekommen.

Nachdem ich noch nirgends meine Unterschrift daruntergekritzelt hab, möchte ich darüber noch nichts sagen. Aber diesen Sommer werde ich erst mal bei den Salzburger Festspielen die Lulu spielen auf der Perner-Insel. Das ist für mich ganz neu, denn ich war noch nie dort, nicht mal als Zuschauerin. Da freu ich mich schon drauf. Ich bin wirklich voller Tatendrang!

Das Gespräch führte Alexander Altmann.

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