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Zu Gast in München: Isabella Rossellini im Showroom von Schirmer/Mosel vor Zeichnungen und Fotos ihres neuen Buches. Die Werke gibt es während der Ausstellung zu kaufen. Kostenpunkt: ab 1000 Euro.

Schauspielerin präsentiert neues Buch

Isabella Rossellini in München: Ihre kleine Farm

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München - Schauspielerin Isabella Rossellini stellte im Showroom von Schirmer/Mosel ihr Buch „Meine Hühner und ich“ und die Ausstellung dazu vor.

Nein, sie möchte niemanden missionieren. Warum sie ein Buch über die Intelligenz und die Schönheit von Hühnern geschrieben hat? „Na, weil es mir Freude macht!“ Sagt Isabella Rossellini und strahlt übers ganze Gesicht, dem man ihre 64 Jahre aufs Schönste ansieht – die Augen umspielt von Lachfältchen, in den Wangen gefurchte Zeugnisse vieler glücklicher Momente.

Und wenn sie nun im Münchner Verlag Schirmer/Mosel ihr neues Buch „Meine Hühner und ich“ veröffentlicht, dann zielt sie damit tatsächlich nicht darauf ab, Menschen zu Vegetariern zu machen. Die Schauspielerin (“Blue Velvet“, „Joy - alles außer gewöhnlich“), Filmemacherin und nicht zuletzt Tochter von Ingrid Bergman und Roberto Rossellini ist ja selbst Fleischesserin. Nun ja, theoretisch. „Tiere, die ich persönlich kenne, kann ich nicht verspeisen“, sagt sie.

Glück gehabt, denken sich die rund 80 Hühner auf ihrer Farm in der Nähe von New York. Sie können also fröhlich weiter picken und bunte Eier legen. Rossellini muss an Ostern keine Farben kaufen. Im Gegensatz zu den industriell produzierten Eiern in Supermärkten schauen die ihrer Hennen alle unterschiedlich aus. Von orange über grün bis lachsfarben; mal rund, mal ellipsenförmig, mal besonders spitz zulaufend. „Die in der Zehnerpackung im Geschäft wirken dagegen wie aus Plastik.“

Vogelwild: Rossellinis Zeichnung zeigt ein Huhn, das nicht hochgezüchtet wurde.

Wäre man selbst ein Huhn, könnte man die bunte Mischung in den Nestern noch intensiver genießen. Denn anders als Menschen haben Hühner nicht drei, sondern vier Farbrezeptoren. „Ihr wunderbares Federkleid muss für sie viel bunter aussehen“, schreibt die Schauspielerin und Hobby-Farmerin nicht ohne Neid in ihrem Buch. Darunter drei Abbildungen von auch mit nur drei Farbrezeptoren fantastisch aussehenden Federn. Fotografiert hat sie wie alle Bilder in dem Werk Patrice Casanova, ein befreundeter Künstler der Autorin.

Als Rossellini vor knapp vier Jahren Küken online bestellte, stand wenige Tage später tatsächlich ein Karton mit Geflügel-Nachwuchs vor ihrer Türe. Aber keineswegs gelb wie aus dem Bilderbuch, sondern kunterbunt gescheckt. Sie hatte sich bewusst für die Aufzucht von vom Aussterben bedrohter Rassen entschieden. Und obwohl es eigentlich nur weibliche Küken hätten sein sollen, wurde Woche für Woche deutlicher, dass auch der eine oder andere Gockel unter den neuen Farm-Bewohnern war. Herrlich die Fotoreihe, die eine beachtliche Metamorphose dokumentiert: Da wird aus einem zotteligen kleinen Knäuel auf zwei Füßchen nach und nach ein prächtiges ausgewachsenes, majestätisch ruhendes Huhn. Und so erübrigt sich die Frage nach dem „Warum Hühner“ eigentlich, wenn man ihr „Bilderbuch für Erwachsene“ durchblättert. Rossellinis Zeichnungen und Casanovas Fotos zeigen, wie viel Schönheit in diesen Tieren liegt. „Und klug sind sie noch dazu!“, betont die Autorin. Als Beweis hat sie zum Ende des lehrreichen Büchleins „zehn faszinierende Fakten über Hühner“ angefügt. Beispielsweise, dass Küken gern picken – sogar dann, wenn sie kein Futter suchen; ein bisschen so, wie Babys gern am Schnuller nuckeln. Oder dass Hühner, weil zahnlos, kleine Steinchen schlucken, mit denen das Futter im sogenannten Kaumagen zermalmt wird. „Wenn ich etwas schreibe, dann möchte ich nicht belehren, sondern unterhalten“, sagt die herzliche Italienerin zwar. Durch die Hintertür lehrt sie einen dann aber doch so manches. „Ich möchte, dass es beim Lesen so klingt: hahaha – ahhhhh!“ Amüsante Literatur mit Aha-Effekt. Und furchtbar niedlich noch dazu. Egal, ob Fleischesser oder Vegetarier.

Isabella Rossellini:

„Meine Hühner und ich“. Schirmer/Mosel, 112 Seiten; 24,80 Euro. Die Ausstellung im Showroom des Verlags, Galeriestraße 2, läuft vom 9. März bis 29. April.

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