Scheidung im Zauberland

München - Das Münchner Nationaltheater hat die Kinderoper „Nepomuks Nacht“ nach Purcells „Fairy Queen“ herausgebracht. Eine Premierenkritik.

Härter an der Realität kann man nicht sein. Eine der größten Ängste heutiger Kinder ist die, dass sich die Eltern trennen. Mehr als die Hälfte der Schülereltern mancher Klassen leben nicht mehr zusammen. Genau da setzen die Theaterpädagogin und Leiterin des Jugendprogramms der Bayerischen Staatsoper, Ursula Gessat, und der Regisseur Andreas Lutzenberger mit ihrer Bearbeitung von Purcells Semi-Opera „Fairy Queen“ an.

Sie nennen ihr Stück „Nepomuks Nacht“ und arbeiten sich von der Wohnküche (Tisch, Herd, Riesen-Kühlschrank) mit muffig-wortlosem Familienfrühstück – Papa liest Zeitung, hat keine Zeit, sagt auch gleich: „Es wird später heute Abend“ – bis zur Zaubernacht der „Fairy Queen“ vor. Purcells Quelle ist ja Shakespeares „Mittsommernachtstraum“. Die Eltern von dem kleinen Nepomuk Fairy heißen denn auch Titania und Oberon, mögen sie mitsamt dem Hausfreund, den Nepomuk auch noch ertragen muss, bis ihn seine Freundesgruppe tatkräftig rausschmeißt, auch aussehen wie aus Mittersendling. Wie kommt man bloß weg von dieser platten Realität? Kinder da „abholen“, wo sie sind, nennt die moderne Pädagogik so etwas wohl. Es wird zum Glück nun doch endlich gezaubert und vor allem musiziert (acht Instrumentalisten unter Stellario Fagone).

Die jungen Solisten vom Opernstudio singen tadellos; der Kinderchor klingt frisch und ist spielgewandt – jetzt ist endlich „Oper“. Henry Purcell (1659-1695) eben. Ob Acht- bis Zwölfjährige, die den Rennertsaal im Probengebäude des Münchner Nationaltheaters füllen, tatsächlich richtig mitkriegen, was es bedeutet, wenn Vater Oberon in einen Esel verwandelt und im Traum wieder heftig von der Mutter geliebt wird, die sich dann bei Tag entsetzt von ihm abwendet, sich mit dem Entzauberten am Ende aber doch wohl versöhnt? Schon schräg, diese Bearbeitung. Dies war die erste Kinderoper der Bayerischen Staatsoper. Nicht mit der linken Hand, sondern von allen Beteiligten sorgfältig vorbereitet. Vielleicht steckt man den Schwung nächstes Mal in ein glücklicheres Sujet.

Von Beate Kayser

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