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Michael "Bully" Herbig und Katja Eichinger bei der Buchpräsentation im Münchner Gasteig.

Buchpräsentation im Münchner Gasteig

Scherben für Bernd Eichinger

München - Bernd Eichingers Witwe Katja und Weggefährten erinnern in München an den großen Filmemacher. Dabei gehen auch Gläser zu Bruch.

Das habe er schon immer mal machen wollen, sagt Michael „Bully“ Herbig, packt sein Wasserglas und knallt es auf den Boden, wo es geräuschvoll zersplittert. Was der Schauspieler und Regisseur da am Donnerstagabend auf der Bühne des Carl-Orff-Saals im Münchner Gasteig macht, ist aber kein Akt des sinnlosen Vandalismus, sondern eine Hommage. Eine Hommage an den gestorbenen Filmproduzenten Bernd Eichinger. „Bully“ erinnert sich gemeinsam mit Eichingers Witwe Katja und dem Drehbuchautor Herman Weigel an den großen Filmemacher - und der habe schließlich immer und überall Wodka getrunken und danach die Gläser zerdeppert.

Die Drei auf der Bühne schwelgen - unterstützt oder gebremst von Moderator Moritz Holfelder - in Erinnerungen, zwischendurch liest Katja Eichinger Passagen aus ihrem durchaus unterhaltsamen Buch. Sie kündigte die Biografie „BE“ kurz nach dem Tod ihres Mannes im Januar 2011 an, auf dem Markt ist das Buch seit rund zwei Monaten. Am Donnerstag stellte sie es beim Literaturfest München erstmals in der bayerischen Landeshauptstadt vor, die - auch das wird an diesem Abend klar - so etwas wie die Spielwiese ihres Mannes war.

Das Buch schildert viele Facetten Bernd Eichingers. Es zeigt ihn als besessenen Filmemacher, obwohl seiner Witwe das Wort besessen nicht gefällt, aber auch als sensiblen und unsicheren Mann, der vor den Premieren seiner Filme kleine Tode starb und sich stets nach Anerkennung sehnte. „Es gibt viele Bernds in diesem Buch“, sagt Moderator Holfelder.

„Meiner hat wahnsinnig viel gehustet“, erinnert sich „Bully“, der Eichinger 1999 kennenlernte und sich heute immer noch peinlich berührt an die erste, nervöse Begegnung erinnert. „Ich kam in den Raum, habe mich vorgestellt, jedem die Hand gegeben und immer gesagt: 'Herbig, Herbig, Herbig'. Bis ich zu Bernd kam und ihm die Hand gab. Da habe ich Eichinger gesagt“, erzählt Herbig. „Jetzt hatte ich mich mit Eichinger vorgestellt. Schlimmer kann's kaum werden.“

Das wurde es auch nicht. Über den Kinoerfolg „Der Schuh des Manitu“ hinaus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die mehr war als reine Kollegialität und vielleicht schon zu so etwas wie einer Freundschaft wurde - auch wenn Eichinger bei Herbig Alpträume auslöste. „Ich habe geträumt, dass ich im Kino sitze, den Film schaue und plötzlich: Schnitt. Und da kommt eine Auto-Verfolgungsjagd. Und dann schau' ich zur Seite, sehe Bernd grinsen und sagen: 'Macht den Film schneller'“, erinnert er sich.

Im Januar 2011 sackte Bernd Eichinger urplötzlich in einem Restaurant in Hollywood zusammen - er starb an einem Herzinfarkt. Sein Tod erschütterte die deutsche Filmbranche. Der Titel von Katja Eichingers Buch „BE“ steht nicht nur für Bernd Eichingers Initialen, sondern auch für das Englische „sein“ und ist damit eine mehr als passende Überschrift für ein Leben wie das von Bernd Eichinger. Bei der bewegenden Trauerfeier in der Münchner St. Michaelskirche ertönte Paul McCartney's Stimme mit „Let it be“.

Katja Eichinger schildert ein bewegtes Leben, das zuallererst und zuallerletzt dem Film gewidmet war. Ihr Buch beginnt an Eichingers letztem Tag - mit einer Autofahrt zum Restaurant „Cecconi's“, in dem er den tödlichen Infarkt erleiden sollte. Weitgehend chronologisch, aber mit vielen Rückblenden und Vorschauen, zeichnet sie dann das Leben ihres Mannes nach und interviewt dazu auch Kollegen und Weggefährten wie „Bully“, Weigel, Wim Wenders, Uli Edel oder Tom Tykwer.

„Das Buch ist kein klassisches Witwenbuch geworden“, bescheinigt Hermann Weigel Katja Eichinger. Er scheint das als Kompliment zu meinen und will damit wohl sagen, dass es nicht zu weichzeichnerisch, nicht zu verklärt daherkommt. Weigel sagt: „Es ist wirklich alles erzählt.“

Britta Schultejans, dpa

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