Schiller besucht Goethe

- Ob Goethe das je passiert, dass er wiederentdeckt werden muss? So fragte man sich am Montag im Goethe-Institut in München. Und: Warum Schiller wohl eine Renaissance nötig habe? Angefacht wird sie jedenfalls von seinem Todestag, der sich am 9. Mai 2005 zum 200. Mal jährt. Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts, leitete das Jubiläumsjahr bereits mit diesem "Gespräch zur Renaissance und Aktualität eines Klassikers" ein und hatte dazu den Schiller-Biografen Rüdiger Safranski sowie als Moderator Ulrich Raulff, den Direktor des Schiller-Nationalmuseums, eingeladen.

"Wie können junge Menschen ihr moralisches Kostüm entwickeln, wenn Schiller nicht mehr in den Lehrplänen der Oberstufe zu finden ist?", skizzierte Limbach gleich zu Beginn die Bedeutung des Dichters. Als Verfassungsrichterin einst selbst ständig mit dem Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit konfrontiert, nannte sie als Beispiel für die Aktualität Schillers die Erzählung "Verbrecher aus verlorener Ehre". Die "Nichtanerkennung der Menschenwürde als Ausgangspunkt des Verbrechens" sieht Safranski darin gespiegelt und kam damit auf das Schiller-Schlagwort schlechthin zu sprechen: Freiheit - etwa, sich diese Würde täglich selbst zuzuerkennen. Dass Freiheit bei Schiller nicht nur ein politischer Begriff war, sondern für ihn zunächst mit Leib und Leben verbunden, konnte man da lernen.<BR><BR> Und immer, wenn sich die Schillerexperten Safranski und Raulff allzu sehr ins Theoretisieren verstiegen, holte Limbach sie so charmant wie scharfsinnig zu den ganz praktischen Fragestellungen zurück.<BR><BR>Ob Schiller, Goethe oder womit sich Deutschland sonst noch im Ausland präsentiert: "Wir haben wieder Wind unter die Flügel bekommen", verkündete Limbach vorab und verwies auf die Eröffnung des Instituts in Ljubljana, des Lesesaals in Pjöngjang und die Gründungsbüros in Havanna und Algier. Mit der allmählichen Umstellung von der Kameralistik auf Budgetierung sowie Kooperationen mit Instituten anderer Länder sehe man recht zuversichtlich in die Zukunft.<BR>

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