Schiller und die Katholiken

- Wie hielt es Friedrich Schiller mit der Religion, insbesondere mit der katholischen? Eine Frage, die vor allem dann eine Rolle spielt, wenn es darum geht, etwa "Maria Stuart" oder "Die Jungfrau von Orléans" aufzuführen. Ansonsten aber kümmert man sich wissenschaftlich nicht allzu sehr um das Verhältnis des Protestanten Schiller zur katholischen Kirche. Als Rebell und Ketzer - so tritt er uns in seinen "Räubern" entgegen, als scharfer Kritiker in "Don Carlos".

Da staunt man nun nicht schlecht, wenn zu erfahren ist, dass sich die katholische Kirche doch von Anfang an um das Werk des Dichters bemüht hat. Jedenfalls die in Bayern, was insofern extra erwähnenswert ist, da Schiller selbst nie einen Fuß gesetzt hat in das von ihm in den "Xenien" bespöttelte Land: "Immer ist's Sonntag, es dreht immer am Herd sich der Spieß."

In einer kleinen, feinen Ausstellung dokumentiert jetzt die Dombibliothek der Erzdiözese München-Freising, dass man sich hier trotz aller Probleme Schillers mit der Kirche dem schwäbischen Genie und seinem literarischen wie historischen Werk stets gewidmet hat. Bibliotheksdirektor Sigmund Benker hat anlässlich des Schiller-Jahres und gewiss aufgrund seiner eigenen großen Verehrung für den Dichter eine sehenswerte Schau zusammengestellt: "Friedrich Schiller und die Aufnahme seines Werkes in Bayern". Die lohnt es sich unbedingt anzusehen. Nicht nur, weil sich damit ein Besuch der sonst nicht zugänglichen, wunderbaren, barocken Bücherschatzkammer der Dombibliothek verbindet, sondern weil hier in sieben Glasvitrinen die größten Schiller-Schätze der Diözese zu besichtigen sind: Erstausgaben, darunter die der "Räuber", Porträts, Illustrationen, frühe Nachdrucke. Und immer wieder Dokumente der Auseinandersetzung der Kirche mit Schiller. Und umgekehrt.

Denn, so macht diese Exposition deutlich, für die Charakterisierung und Schilderung seiner Heldinnen und Helden, für die Glaubwürdigkeit seiner Gedichte und Balladen benötigte der Dichter intimste Kenntnis der katholischen Welt und Frömmigkeit, der Riten der Messe, der Tätigkeit des Mesners.

"Immer ist's Sonntag, es dreht immer am Herd sich der Spieß."

Friedrich Schiller über Bayern

Aber Sigmund Benker zeigt in seiner Schiller-Präsentation nicht nur das. Zu sehen sind auch die kostbaren Theaterzettel der ersten "Räuber"-Aufführungen in München, dargeboten von wandernden Schauspieltruppen, sowie einige Jahrzehnte später das uneingeschränkte Bekenntnis König Ludwig I. zu Schiller. Mit holprigen Versen machte der Monarch den Dichter hoffähig: "... Aber dich, mein Schiller, Edler, Reiner/ Hätt dich, Herzlicher, ans Herz gedrückt."

Bis 16. Oktober; Mo.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. u. So. 14-16 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 08161/ 48 400

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