Schillerndes Theater-Doppel

- "Das beste Aushängeschild Österreichs nach Mozart" - das sei unbestritten "Wolfgang Amadé Brandauer". Mit diesen Worten belobte Peter Jonas, Ex-Staatsopern-Intendant, als Laudator den Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Der war im Rahmen der feierlichen Verleihung des Internationalen Buchpreises Corine 2006 im Münchner Prinzregententheater einer der Ausgezeichneten. Er erhielt die Corine für die Hörbuch-Einspielung der Mozart-Briefe. Es muss schon gesagt werden: Das Doppel Brandauer/Jonas war der unterhaltsamste, witzigste Teil des Abends.

Und das nicht nur, weil Brandauer launig und versiert einen Brief ans Bäsle vorlas, bevor ihm die kostbare Commedia dell’Arte-Figur aus der Nymphenburger Porzellan-Manufaktur überreicht wurde. Sondern weil Sir Peter in bekannter Manier eine seiner schillernden Reden hielt. Theaterleute wissen halt, wie Effekte, wie Wirkung, wie Lacher zu erzielen sind. Das muss von den anderen Preisträgern, den Autoren, und ihren Laudatoren auch nicht erwartet werden. Kluge Reden, intelligente Ansprachen, daran konnte sich das illustre Publikum -Verlagsleute, Schriftsteller und gediegene TV-Prominenz -ausgiebig erfreuen.

Gegen die Maßlosigkeit

Der israelische Schriftsteller Amos Oz, der von Ministerpräsident Edmund Stoiber den Corine-Ehrenpreis für sein Lebenswerk bekam, warnte in seiner Dankesrede vor dem Fanatismus, der nicht nur für Israel und dem Nahen Osten zur Bedrohung geworden ist, sondern für die ganze Welt. "Ich rede von den inneren Fanatikern", sagte er. Die gebe es überall, im Islam, bei den Juden ebenso wie bei den Christen. "Die Gefahr des Fanatismus ist universell." Begegnet werden müsse ihm im alltäglichen Leben: "Jeder von uns könnte sich in ein Ausrufezeichen verwandeln." Dort, wo die Menschen hundertprozentig recht haben, können keine Blumen blühen, so Oz.

Die andere Rede von politischem Gewicht kam Kurt Biedenkof zu, der für sein Buch "Die Ausbeutung der Enkel" mit dem Corine- Wirtschaftspreis geehrt wurde. Anlass für sein Werk gaben die zehn Enkel des einstigen Professors und Ministerpräsidenten von Sachsen. Seine Kritik richtete sich gegen die Maßlosigkeit unserer Gesellschaft: "Wir können uns nicht mehr begrenzen. Wenn aber eine Kultur nicht mehr die Kraft hat, sich Grenzen zu setzen, dann verliert sie die Kontrolle." Die Frage müsse lauten: Was können wir, und was dürfen wir?

Gesellschaftskritik übten auch, den gepriesenen Büchern angemessen, ZDF-Wetterspezialist Uwe Wesp sowie Alice Schwarzer. Wesp hielt eine so erfrischende wie ernste Laudatio auf Tim Flannery und sein Buch "Wir Wettermacher" und warnte: "Es könnte eines Tages dazu kommen, dass wir, um unsere Häuser zu kühlen, die Erde zum Kochen bringen." Schwarzer sprach für Necla Kelek, die mit ihrem Buch "Die verlorenen Söhne" das Islam-Problem aufgreift. Schwarzer relativierte vorsichtig das Thema: "Auch wir Nicht-Musliminnen können ein Lied singen von Unterdrückung und Gewalt." Dennoch: Der Islam, so Schwarzer, müsse lernen, kritikfähig zu sein anstatt beleidigt.

Die Soziologin und Autorin Necla Kelek, die vor einem Jahr mit dem Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München ausgezeichnet wurde, bedankte sich für die Corine auf sehr anrührende, uns auch beschämende Weise -mit dem Text des deutschen Volksliedes "Die Gedanken sind frei", das ihr in früher Jugend zum Maßstab ihres Lebens geworden sei. Und sie rief allen zu: "Verschenken Sie keinen Zentimeter Ihrer Freiheit."

Existenzielle Probleme, von denen die anderen hier ausgezeichneten Autoren weit entfernt sind: die sympathische Bertina Henrichs, die für ihre "Schachspielerin" den Debütpreis erhielt, sowie Jonathan Stroud (Jugendbuch), Kazuro Ishiguro (Belletristikpreis) und Diana Gabaldon (Weltbild Leserpreis). Désirée Nosbusch führte charmant und locker durch den Abend. Dass die Gestaltung der Bühne jedem ästhetischen Grundsatz zuwiderlief, war wohl der TV-Übertragung geschuldet.

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