Schlachtengemälde

- Nicht nur Brahms, auch Zubin Mehta und Daniel Barenboim werden geliebt. Das bewies der herzliche Applaus beim zweiten Akademiekonzert am Montagabend im Münchner Nationaltheater. Die Stars an Pult und Piano wuchteten das erste Klavierkonzert d-moll in den Bühnenraum mit seiner unzureichenden Akustik und hielten mit ihrer Interpretation nicht dagegen.

 Gerade im aufgewühlten Wogen des Kopfsatzes hätte man sich eine klare Konturzeichnung und Trennschärfe gewünscht. Doch Mehta vertraute, den Dualismus durchaus signalisierend, doch lieber auf die ungebärdige Urgewalt, und Barenboim hielt "grummelnd" mit. <BR><BR>Das Adagio fügte sich in feinem Pianissimo besser in den Raum, wurde jedoch in solcher Langsamkeit zelebriert, dass es schier zerbröselte. Temperament und Kraft prägten dann wieder das finale Rondo mit seinen subtilen Einsprengseln, den schönen Farben des Holzes und dem von Mehta mit leichter Hand dirigierten Fugato, dem sich der Pianist locker anschloss. <BR><BR>Nach der Pause erstand mit dickem Pinselstrich und grellen Orchesterfarben ein effektvolles Schlachtengemälde: Prokofjews Kantate "Alexander Newski". Ein zweifellos handwerklich gut gemachtes Stück, zunächst entworfen als Filmmusik für Sergej Eisenstein, 1939 zur (Propaganda-)Kantate gegen die Bedrohung durch Hitlers Truppen umgearbeitet. Martialisch marschierend kündet es von den Siegen des Helden Alexander Newski über die Schweden und besingt Russlands Stärke. <BR><BR>Das in der farbintensiven, plakativ auftrumpfenden Partitur rundum geforderte Staatsorchester und der volltönende Staatsopernchor erfüllten ihre Aufgabe mit Engagement. Anna Larsson beklagte mit dunkel-leuchtendem Mezzo die Toten, bevor der Chor zum Ausklang - geradezu folkloristisch umrankt - "Russland, freue dich! du Heimatland" sang. Doch Hand aufs (russische) Herz - hätte man heutzutage statt der wenig bekannten Kantate nicht doch viel lieber ein Prokofjew-Klavierkonzert gehört? <BR>

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