Schlachtfest feiern

- "Das Leben endet oft tödlich, aber was machen wir bis dahin?", fragt Oberstleutnant Sanftleben. Am besten ins Kabarett gehen, zu Georg Schramm ins Münchner Lustspielhaus. Denn dort hatte jetzt sein neues Programm Premiere: "Thomas Bernhard hätte geschossen". Mit dem Dichter Bernhard hat das bis auf das Schlusszitat höchstens so viel zu tun, als dass Schramms Text von dem gleichen Zorn, der gleichen Schärfe, ähnlicher Wortgewalt und inhaltlicher Konsequenz diktiert ist.

<P>Diesmal lädt Schramm als Seminarleiter der Stiftungsinitiative "Leben - jetzt" seine Zuschauer ein zu einem Informationsabend mit dem Thema "Deutschland helfen - aber wie?" Dazu lässt er auftreten eben jenen alerten Bundeswehrmann, den grimmigen Herrn Dombrowski und den alten Sozi aus Köln, der sich outet mit dem Bekenntnis, bei sich im Ortsverein "eine Arbeitsgruppe Sozialdemokraten in der SPD" gegründet zu haben.<BR><BR>Mit diesem Trio in Personalunion öffnet "Seminarleiter" Schramm uns die Augen über "den Niedergang einer großen Kulturnation", nämlich der Deutschen. Der Beweis dazu lässt sich auf vielfache Weise führen. Erstens anhand unseres durchweg korrupten Gesundheitssystems und der Pharmaindustrie, die für ihn "der Inbegriff des Verrats ist". <BR>Zweitens anhand der Bundeswehr, die auf jedwedes Bedrohungsszenario nicht reagieren könne, weil es an der nötigen "Reproduktionsrate", sprich: Söhne, fehle. Bei der zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung reiche es im Ernstfall höchstens für einen neuen Volkssturm. Währenddessen die Jungs von der maghrebinischen Küste "jederzeit bereit sind, den Sprengstoffgürtel enger zu schnallen".<BR><BR>Die Bankrotterklärung "unserer aufgeklärten Zivilgesellschaft" sei ebenso am Berliner Politzirkus zu erkennen, der zwecks gezielter Volksablenkung jede Woche aufs Neue eine Sau durchs Dorf treibe. Und natürlich an der Sprache der Politiker: ob Clement von den Daumenschrauben redet oder Hundt davon, dass die Industrie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ihr "Scherflein" beitragen wolle. Ohne den Leuten zu sagen, dass Scherflein die denkbar kleinste Münzeinheit ist.<BR><BR>Natürlich werden auch Lösungsmöglichkeiten angeboten. Etwa die 1500-Euro-Variante als Geschenk für jeden 25-jährigen Arbeitslosen mit akzeptabler Kosten-Nutzen-Rechnung. Oder, im Sinne von Herrn Dombrowski, selbst "Schlachtfest feiern": "Gesetzt den Fall, jeder hätte einen Schuss frei . . ." Doch dazu wird's nicht kommen. Nur untaugliche Varianten.<BR><BR>In seiner Radikalität ist Georg Schramm derzeit wohl kaum zu überbieten. Streng im ersten Teil, pointenreich im zweiten. Politisches Kabarett in Vollendung: aggressiv, aufklärerisch, wütend. Zum Totlachen.<BR><BR>3. sowie 8.-12. 4., Telefon 089/34 49 74.<BR></P>

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