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Harter Kerl mit Hang zur Kultur: Nick Trachte in seinem Boxwerk, einem Club in der Maxvorstadt.

Mit Worten statt Fäusten

Schlagabtausch im Boxring: Stand-up-Comedy im Boxwerk

München - Schlagabtausch im Boxring: Nick Trachte verwandelt am Samstag seinen Boxkeller in eine Stand-up-Comedy-Bühne.

Das hier könnte auch Brooklyn sein. Irgendein düsterer New Yorker Boxclub, wo Männer, die Rocky und Muhammad Ali verehren, ihre Muskeln stählen. Tatsächlich ist es die Maxvorstadt, eine brave Münchner Wohnstraße, Mehrfamilienhaus an Mehrfamilienhaus, Universität und Pinakotheken nicht weit entfernt. Für Nick Trachte gerade deshalb der perfekte Standort für sein Boxwerk. Der 40-jährige Besitzer liebt das Spiel mit Klischees und wird daher am heutigen Samstag wieder Kunst in den Boxring bringen.

„Ich möchte zeigen, dass Boxen nicht so platt, ist wie viele meinen“, betont Trachte. Er sitzt in seinem Büro, ein kleiner Raum, eingezogen in den Boxkeller in einem Hinterhof der Schwindstraße. Durch die Glasscheibe vor seinem Schreibtisch kann er in den Trainingsraum schauen, in dem Boxwerk-Mitglieder gerade schwitzend Seilspringen. Junge, Alte, Männer, Frauen, Deutsche und Zugezogene aus aller Welt. Ein bunter Haufen. „Hier trainieren Schreiner mit Gymnasiallehrern, Auslandsstudenten mit Barkeepern. Ein komplett gemischtes Publikum.“ So wünscht er es sich auch für diesen Samstag. Denn dann liefern sich Stand-Up-Comedians im Boxring einen Schlagabtausch – mit Worten statt mit Fäusten. Matt Devereux aus Kanada, Dennie Klose, Moderator von „Upps! – Die Pannenshow“, Wayne Darrin aus New York und Kostas aus München, Talent aus dem „Quatsch Comedy Club“, steigen nacheinander in den Ring. Allesamt „Schwergewichte im Comedybereich“, verspricht Sven Günzel, der die vier ausgewählt hat.

Comedy und Boxen – das bietet sich nicht nur wegen der Wortspiele an. Tatsächlich gibt es Parallelen. „Diese psychische Stärke, vor einem Publikum eine Show abzuliefern, auf den Punkt schlagfertig zu sein. Und Leute zu begeistern. Das alles musst du im Boxring genauso wie auf der Showbühne“, sagt Trachte. Und ja, auch Boxen könne witzig sein – „wenn man es mit Leidenschaft betreibt, selbstkritisch ist und Ironie mitbringt“. Wer schon einmal bei einer Trainingsstunde im Boxwerk mit böser Miene Fausthiebe in die Luft gemacht hat und dabei einen Blick in den Spiegel warf, der kann das bestätigen. Eines aber ist Trachte wichtig: „Wir wollen nicht so eine Stand-Up-Comedy, wo alles aufs Boxen bezogen ist. Was die Themen angeht, sind die Comedians frei. Ich weiß nicht konkret, worauf ich mich einlasse“, sagt er.

Der kulturaffine Boxclub-Besitzer bietet immer wieder Künstlern seinen Ring als Bühne. Opernsängern zum Beispiel. Auch veranstaltete er „Schachboxen“: Hierbei traten die Kämpfer in Schach- und Boxrunden gegeneinander an. Warum? „Ich finde, ein Boxring bietet eine super Bühne, weil du das Publikum darum herum drapieren kannst.“ In dem Hinterhof-Keller in der Maxvorstadt werden an diesem Samstag Holzbänke um den Ring gestellt, dahinter Stehplätze, daneben eine Bar. Und dann: Alle Spots auf den Ring.

Der Clou: Die eigentlichen Stars des Clubs sind heute „nur“ die Pausenfüller; Amateurboxer bieten vier Runden lang Schwergewichts-Boxkämpfe zwischen den Auftritten der Comedians. Damit die Gäste, die noch nie live bei einem Kampf waren, sehen, wie das so ist, „wenn die Burschen ein bisserl Gas geben“, freut sich Trachte. Denn er hofft – und weiß von vorherigen Kulturveranstaltungen –, dass auch Gäste kommen werden, die bisher Hemmungen hatten, einmal in diesen Hinterhofkeller hinabzusteigen. „Deren Reaktionen zu sehen, finde ich immer spannend. Wir sind ja eher versteckt, keine großen Leuchtreklamen weisen auf uns hin. Das hat alles ein bisschen was von einer Filmwelt“, sagt er grinsend. Denn genauso mag er das. Den Überraschungseffekt: dass es zwar aussieht wie in „Fight Club“, dann aber völlig normale, freundliche Menschen ohne Veilchen im Gesicht auf einen warten. Die Sinn für Humor haben. Das ist Trachtes vielleicht wichtigstes Argument: „Sport ist gesund und Lachen ist gesund – eine bessere Kombi gibt’s doch gar nicht.“

„Punchlines“

im Boxwerk, Schwindstraße 5 RG. Einlass 18 Uhr, Beginn 19 Uhr. Tickets an der Abendkasse.

Katja Kraft

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