Schlagobers

- Die weihnachtlichen Schlemmereien waren gerade vorbei und allenfalls noch auf der hauseigenen Waage im Badezimmer zu sehen, da lockte diese Woche auch gleich schon wieder die nächste süße Versuchung. Nun in Gestalt der K & K Philharmoniker, die im Herkulessaal mit ihrer Johann- Strauß-Gala gewissermaßen das musikalische Äquivalent zu einem großen Stück Sachertorte mit ganz viel Schlagobers präsentierten.

Da reihte sich kalorienreich ein verträumter, zuckrig süßer Walzer an den nächsten und ließ allenfalls Raum für einen kurzen schmissigen Marsch oder eine stampfende Polka aus der Feder des Walzerkönigs.

Das mag bei den Wiener Philharmonikern zu Neujahr sicher noch eine Spur edler und mehr auf Hochglanz poliert klingen, doch wussten auch die hier versammelten Damen und Herren sehr wohl, wie man seinen Strauß zu spielen hat. Schließlich stand mit Herbert Prikopa ein echter Operetten-Kenner am Pult, der mit Wiener Schmäh auch als Moderator durch den Abend führte. In der kaiserlich-königlichen Musikerfamilie gefiel ebenso Valentina Farcas mit locker leichter Soubrettenstimme, während der wagnererprobte Richard Brunner beim Ausflug zur "Nacht in Venedig" den wahren Schmelz ein wenig vermissen ließ.

Original Neujahrskonzert-Gefühl gab es dafür bei den Zugaben, für die man ­ wie könnte es bei einer Strauß-Gala anders sein ­ natürlich die beiden Dauerbrenner Donauwalzer und Radetzkymarsch servierte. Lediglich das Timing beim Mitklatschen sollte vom Publikum bis zum nächsten Gastspiel noch etwas geübt werden. Aber zum Glück gibt es dafür im Fernsehen ja eh bald Nachhilfeunterricht aus Wien.

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