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Rhythmischer Lärm lässt sich mit allen möglichen Gegenständen machen – die Musiker von „Stomp“ beweisen das noch bis Sonntag in München.

Premiere im Circus Krone

Die Schlagwerkmeister von „Stomp“

„Stomp“ liefert im ausverkauften Circus Krone ein ohrenbetäubendes Fest. Lesen Sie hier unsere Kritik zur München-Premiere: 

München – Ein Phänomen, immer noch. Auch ein Vierteljahrhundert nachdem die Briten Luke Cresswell und Steve McNicholas mit „Stomp“ die ebenso einfache wie explosive Idee hatten, mit allem, was einem so in die Hände fallen kann, wunderbar rhythmischen Lärm zu erzeugen, zündet der Funke sofort. Gleichgültig ob mit Besen, Feuerzeug, Mülleimer, Plastiktüte – jedem Gegenstand kann man mitreißenden Rhythmus entlocken. Geht alles und klingt jedes Mal gut.

Die wilde Mischung schüttelt den Kronebau durch 

Den ausverkauften Münchner Circus Krone nehmen die dynamischen sechs Herren und zwei Damen im Sturm. Die wilde Mischung aus Trommel-Punk, Freistil-Tanz und verschrobenem Witz schüttelt das Zelt durch und bald klatscht, stampft, schnipst der ganze Saal mit. Die jungen Rhythmiker auf der Bühne vibrieren regelrecht vor Energie – und das überträgt sich unmittelbar aufs Publikum.

„Stomp“ ist keine Show im herkömmlichen Sinn, eher eine Art Tour de Force durch die ursprünglichste Form der Musik, die es gibt. So leiden- schaftlich und dabei präzise auf alles einzudreschen, was gerade im Weg steht, erfordert echte Hingabe. Die sieht man den jungen Männern und Frauen auf der Bühne an. Sie brennen nicht einfach nur für das, was sie da tun, sie stehen lichterloh in Flammen. Bemerkenswert ist, wie unaufdringlich und dabei geschmeidig die dynamische Choreografie mit der Musik korrespondiert. Zusammengehalten wird das freilich durch den verschmitzten Witz der Protagonisten, die ohne Worte ständig mit dem Saal kommunizieren. Das erinnert in Körpersprache, Mimik und Tempo oft an die Großen des Stummfilms wie Chaplin, Buster Keaton und Laurel & Hardy.

„Stomp“ bleibt eine Sensation

Dass diese Männer und Frauen nicht nur zwingend trommeln und tanzen können, sondern auch darstellerisch überzeugen, ist freilich nicht weiter verwunderlich. Schauspiel ist Timing und das Denken in Rhythmen und Zeitabschnitten ist elementar, wenn man Schlagwerker ist. „Stomp“ bleibt eine Sensation – und das liegt an immer neuen jungen Irren, die Freude daran haben, den Beat aus den Dingen zu klopfen. Ein ohrenbetäubendes Fest, das einen betört entlässt.

Zoran Gojic

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