Schlagzeile oder Erkenntnis

Angebliches Jesus-Grab: - Ein Thema, das immer wieder die Menschen fesselt. Nicht neu, aber jedes Mal wie neu. Nun, rechtzeitig zur bevorstehenden Osterzeit, interessiert es die Welt wieder: die möglicherweise letzte Ruhestätte Christi. Hochwissenschaftliche Neuerkenntnisse oder pseudowissenschaftliche Scharlatanerie?

Filmberichte zum Thema:

 Grab von Jesus entdeckt?

 Bilder aus der Jesus-Grabkammer

Ein Film will die Christenheit darüber in Kenntnis setzen. Der in Jerusalem gefundene Knochensarg aus Kalkstein könnte nach Überzeugung von Experten die Gebeine von Jesus von Nazareth enthalten haben. Das behaupteten zumindest der israelisch-kanadische Dokumentarfilmer Simcha Jacobovici und der dreifache Oscar-Preisträger James Cameron bei einer Pressekonferenz in New York. Dort diskutierten sie zum ersten Mal öffentlich ihre Beweislage für den Film, den sie über Jesu Grabstätte gedreht haben.

"Wir haben konkrete archäologische und forensische Hinweise dafür", betonte James Cameron. "Jede Tatsche wurde doppelt, dreifach und vierfach gecheckt",  sagte Jacobovici. Der Film wird am Karfreitag, den 6. April, in Deutschland im  Fernsehen gezeigt (ProSieben).

Die Filmemacher präsentierten bei der Pressekonferenz zwei schmale Särge aus Kalkstein, die bereits in den 80er-Jahren bei Bauarbeiten im Jerusalemer Stadtteil Talpiot gefunden worden waren. Sie waren mit acht weiteren Särgen von einer israelischen Behörde eingelagert worden. Die sich darin befindlichen Knochen wurden indes nach dem Gesetz erneut beigesetzt. Trotzdem könne man noch DNA-Spuren auf dem Boden der Särge finden, sagte Jacobovici.

Der angebliche Fund der Grabstätte von Jesus in Jerusalem hat unter Archäologen und Religionswissenschaftlern eine heftige Debatte ausgelöst. Kritiker wie der Experte für das Neue Testament an der Universität Leiden (Niederlande), Jürgen Zangenberg, bezeichnen die dem Film zu Grunde liegende Theorie als unrealistisch. In "The Burial Cave of Jesus" (Die Grabhöhle von Jesus) gehe es nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse. "Hier geht es um Geld und um Schlagzeilen", sagte Zangenberg. Auch in Israel ist die Bedeutung der bereits vor 26 Jahren entdeckten Höhle umstritten. Einer der federführenden Archäologen, Amos Kloner, erklärte in Jerusalem: "Es ist eine sehr schöne Geschichte, aber es gibt keinen Beweis dafür", dass es sich wirklich um die Ruhestätte von Jesus handelt. Die auf den Särgen gefundenen Namen seien zu jener Zeit weit verbreitet gewesen. Einige Forscher ziehen wegen der Einkerbungen auf den Sarkophagen den Schluss, dass es sich bei der Höhle um die Grabkammer von Jesus handeln könnte. Auf sechs der zehn Särge sei zu lesen: "Jesus, Josephs Sohn" sowie "Judah, Sohn von Jesus" und "Maria" (zwei Mal). Nach Auslegung der Forscher ist einmal die Mutter von Jesus und das andere Mal Maria Magdalena gemeint. Aus den Angaben über Judah folgern die Gelehrten, dass Jesus einen Sohn gehabt haben könnte.

Für Zangenberg aber fehlt der Beweis, dass die Knochen Jesu jemals in eine Steinkiste, ein so genanntes Ossuarium, gelegt wurden. "Nach den Berichten der Evangelien wurde Jesus in ein Grab gelegt. Dann verschwand die Leiche", sagte er. Es gebe keinen Beweis für eine damals übliche Sekundärbestattung, bei der später die Knochen von Toten in eine steinerne Kiste gelegt wurden. Auch die Namenskombination auf den steinernen Knochenkisten ist für den Religionswissenschaftler kein Beweis. "Die Namenskombination kann damals viel häufiger vorgekommen sein", sagte Zangenberg.

Als reine Vermutung bezeichnete Zangenberg auch den Schluss, Jesus und Maria Magdalena müssten verheiratet gewesen sein. Das Erbgut der Knochen in den beiden Kisten zeige lediglich, dass die beiden Toten nicht miteinander verwandt waren, mehr nicht. "Es werden Vermutungen aufgestellt, daraus werden Fakten gemacht und darauf werden neue Vermutungen aufgestellt."

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