Schlangenbeschwörer

- Carl Maria von Webers Es- Dur Klarinettenkonzert op. 74 ist ein Virtuosenstück, das dem Solisten alle Möglichkeiten bietet, sein Instrument erschöpfend zur Geltung zu bringen. In der Münchner Philharmonie traten die Wiener Symphoniker und ihr Soloklarinettist Gerald Pachinger unter Leitung von Vladimir Fedossejev mit dem effektvollen Stück an. In allen drei Sätzen steht der Solist im Mittelpunkt, und es mutete seltsam an, wie Pachinger dieses virtuose Stücke vom Blatt spielte. Störend war das notwendige Umblättern. Im Kontrast dazu stand sein sportiver körperlicher Einsatz, fast schlangenbeschwörend. Doch beim Zuhören dominierte Pachingers warme Klangfülle.

<P>Wirkungsvoll bewältigte er die Spitzensprünge im ersten Satz, breitete stimmungsvoll den lyrisch-elegischen zweiten Satz aus, den Fedossejev sehr gedehnt dirigierte, und zeigte im rasanten Finale nochmals seine virtuose Fingerfertigkeit. Die anschließend folgende Neunte Symphonie d-moll von Anton Bruckner dirigierte Fedossejev ebenfalls mit sparsamer Gestik. Er wirkte wie ein Fels in der Brandung bei dieser monumentalen Komposition, deren Architektur Kühnheit und große Gestaltungskraft zu Grunde liegen.</P><P>Das den Durchführungsteilen und dem Ende des ersten Satzes eigene kämpferische Element entbehrte jedoch der inneren Dringlichkeit. Auch dem Scherzo fehlte es im Hauptsatz an profilierter Schärfe und im Trio am Spukhaft-Dämonischen. Wenngleich das Orchester unter anderem über starkes Blech, filigrane Holzbläser und einen angenehm flächigen Streicherklang verfügt, so ließ auch das Adagio einiges offen: Tiefe und Erhabenheit kamen nicht richtig zur Geltung. <BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare