Schlanker Beethoven

- Mit schöner Regelmäßigkeit erscheint Beethovens "Missa Solemnis" im Programm des Münchner Motettenchores. Wer aber glaubt, eine Aufführung des Werkes wäre fürs Ensemble deshalb Routine, konnte sich im Herkulessaal eines Besseren belehren lassen. Hochkonzentriert und präzise artikulierend folgte der Chor seinem künstlerischen Leiter Hayko Siemens, der Beethovens Tempoangaben manchmal ein wenig zu wörtlich nahm.

Verlangt der Komponist etwa im "Kyrie" lediglich nach der dem Werk gebührenden "Andacht", forderte Siemens‘ bis an die Grenzen gedehnte Interpretation zusätzlich noch alle Atemreserven seiner Sänger. Die meisterten diese Klippe jedoch ebenso souverän wie den aus dem Nichts kommenden Umschwung zum voraneilenden "Gloria", dessen wechselnde Stimmungen der Dirigent deutlich voneinander abzugrenzen wusste.

Mit dem Originalklang-Orchester "La Banda" kultivierte Siemens dabei einen unromantischen, meist vibratolos schlanken Ton, der im Zusammenspiel mit dem Chor und der einfühlsam begleitenden Solo-Violine besonders im "Sanctus" seine Wirkung entfaltete und dem Werk so auf einmal eine anrührende Schlichtheit verlieh.

Diesem Klangideal ordneten sich auch die vier Solisten willig unter. Neben Thomas Cooley und dem sich zurücknehmenden Franz Hawlata konnten dabei vor allem die Damen für sich einnehmen. Hatte der silbrig glänzende und über alle Wogen des Chores hinweg tragende Sopran von Alexandra Lubchansky doch in Rita Kapfhammers volltönender, runder Altstimme eine nahezu perfekte Ergänzung gefunden.

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