Schlankheitskur für "Mae West"

- Strickliesl, Eierbecher, Basketball - das waren die spöttischen Bezeichnungen für ein mutiges Kunstprojekt am Münchner Effnerplatz. Vor über einem Jahr stellte die Kunstkommission den filigranen Turm von Rita McBride vor, der künftig als Wahr- und Stadtzeichen den Mittleren Ring Ost markieren soll. Nach anfänglicher Begeisterung, nach der Zustimmung durch die Stadtgestaltungskommission, kamen Bedenken von Anwohnern und Oberbürgermeister.

<P>Jetzt wurde der Turm "Mae West" überarbeitet: Der luftigere und zierlichere Entwurf soll den Stadtrat im Juni überzeugen. Das Gremium muss bei einem stadtprägenden Projekt dieser Größenordnung ein Bebauungsplanverfahren in Auftrag geben.<BR><BR>Ein Bündel dünner Rohre schiebt sich, leicht gegeneinander gedreht, mit einer eleganten Taillierung gen Himmel. Design, Architektur, Skulptur - die Diskussion ist angesichts dieser transparenten Platzgestaltung müßig. Wo sonst kann man schon mit der Straßenbahn durch die Kunst fahren, wo sonst werden so spielerisch niedrige Wohngebäude und imposante Hochhäuser verbunden? Ein heimeliger Platz inmitten des neuen Straßen- und Tunnelsystems wäre der Effnerplatz nie geworden. Jetzt soll seine Rolle als dynamischer Verkehrsknotenpunkt, Verteiler und Vermittler betont werden.<BR><BR>"Wenn München seinen Ruf als Kunststadt behalten will, dann darf es nicht nur in der Vergangenheit leben", fasst Baureferent Horst Haffner sein Plädoyer für den modernen Turm "Mae West" zusammen. Die 1,5 Millionen Euro dafür schöpfen das Budget für Kunst am Bau noch nicht einmal aus. </P><P>Netzstrumpf-Optik</P><P>Für die realistische Einschätzung bürgt neben McBride der Ingenieur Werner Sobek. Zusammen kamen sie auf ein neues Material, das die federleichte Konstruktion erlaubt: extrem belastbare Karbonfaser-Kompositrohre. Sie verjüngen sich nach oben hin von 28 auf zwölf Zentimeter Durchmesser und scheinen sich förmlich aufzulösen. </P><P>Das dunkel schillernde Material wird nicht gestylt, das gelbe "Netzstrumpf-Outfit" (Haffner) entspricht ohnehin der femininen Komponente von McBrides Arbeiten. Die Höhe der Skulptur wurde von 60 auf 52 Meter gekappt, der Basisdurchmesser hat 32 Meter. Der zweite, umspannende Ring im oberen Drittel wurde weggelassen. Zurückhaltender also ist der Turm geworden, der ab 2007 mit Abschluss des Tunnelprojekts das Stadtgesicht prägen könnte.</P>

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