Schlaue Schlichtheit

- Das Mondlicht spielt eine nicht unbedeutende Rolle in dem Theaterstück "Der Golem" nach dem gleichnamigen Roman von Gustav Meyrink. In diesem Zwielicht kommen die kuriosen Gestalten der Prager Judenstadt richtig zur Geltung, verwischen sich die Grenzen zwischen rationaler Wahrnehmung und fantastischer Parallelwelt.

<P class=MsoNormal>Mit Bildern und Kinderbuchillustrationen voller Mondlicht, Fantasie, Träumereien und leiser Melancholie ("Sofies Welt", "Schlaf gut, kleiner Bär") ist auch der Künstler Quint Buchholz bekannt geworden, der nun sein erstes Bühnenbild für die deutsche Erstaufführung des "Golems" entworfen hat. In der Regie von Jochen Schölch ist heute Premiere am Metropoltheater in München-Freimann.</P><P class=MsoNormal>"Eigentlich reizte mich an dem Golem-Stoff das Undurchschaubare, das Dunkle, eine ganz andere Seite also als in meinen Bildern. Meyrinks Roman, mit dem ich meine Arbeit begann, hatte etwas Unbegreifbares, da wollte ich hingucken und auch wieder nicht hingucken." Hingeguckt hat Buchholz dann doch ganz genau und einen szenischen Rahmen geschaffen, der vor allem durch schlaue Schlichtheit auffällt.</P><P class=MsoNormal>Ausgangs- und Mittelpunkt ist ein multifunktionales Bettmöbel, das im metallischen Aluminiumglanz magisch schimmert: "Einerseits ist es für den Zuschauer als Bühnenelement klar zu erkennen. Wir haben bewusst auf einen Anstrich verzichtet, um es in seiner Fremdheit zu zeigen. Die Verwandlung soll durchaus vom Publikum verfolgt werden können, wir wollen keinen falschen Bühnenzauber evozieren. Auf der anderen Seite entzieht es sich durch seine Wandlungsfähigkeit einer eindeutig realistischen Zuordnung."</P><P class=MsoNormal>Das funktioniert dann wie im Traum, wo sich die Materie auch hartnäckig jedem realistischen Zugriff verweigern kann. Mit nur wenigen Griffen und Drehungen wird aus "unter dem Bett" "vor der Tür", aus "vor der Tür" "im Haus" und aus "im Haus" wieder "unter dem Bett". Gefängniszelle, Hausruine, Prunkportal - Buchholz zaubert, lässt aber in einer sparsamen szenischen Erzählweise sehr viel Raum für die Schauspieler: "Einfach und überschaubar, ohne allzu große Ablenkung. Um der Gedankenwelt des Erzählers Pernath und den großen Fantasien in seinem Kopf Raum zu geben."</P><P class=MsoNormal>Seit etwa drei Jahren experimentiert Quint Buchholz neben der Malerei auch mit Objekten im Raum. "Daher war das Arbeiten in der Räumlichkeit keine große Umstellung für mich. Manche sagen ja auch meinen Bildern eine große räumliche, geradezu bühnenhafte Wirkung nach. Da sind Räume, die den Figuren Platz geben und die der Betrachter mit Ideen ausfüllen kann. Was eine wirklich neue Erfahrung war, war das Arbeiten in einem Team. Ein ganz anderer Arbeitsprozess als der des Malers, der nie jemanden fragen muss. Am Theater ist man einer gegenseitigen Prüfung ausgesetzt, ist in diesem Sinne das Gegenüber für die Gedankenspiele der anderen. Denn Regie, Licht, Kostüm und Musik müssen ja auch mit meinen Ideen klarkommen."</P><P class=MsoNormal>Obwohl er sich zum ersten Mal dem Bühnenbild zugewandt hat, merkt man ihm an, dass ihm diese Welt kein bisschen fremd ist. Schon zu Schulzeiten habe er als Statist und Bühnenaushilfsarbeiter seine Begeisterung für das Theater entdeckt. Die spricht auch jetzt immer noch aus ihm.</P><P class=MsoNormal>Buchholz: "Ich verfolge die Arbeit von Jochen Schölch schon seit Jahren, manche Produktionen habe ich mir zwei-, dreimal angeschaut. Ich bin total begeistert von seinem poetischen und sinnlichen Stil." </P>

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