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Einer Meinung mit dem Bundespräsidenten: Filmemacher Volker Schlöndorff.

Filmemacher unterstützt Gaucks Forderung

Schlöndorff: "Notfalls mit militärischer Macht"

München - Im Gespräch mit dem Münchner Merkur unterstützt Filmemacher Volker Schlöndorff die Forderung von Bundespräsident Gauck, Deutschland solle international mehr Verantwortung übernehmen.

Seit gut einer Woche wird in Deutschland kontrovers über die Forderung von Bundespräsident Joachim Gauck diskutiert, Deutschland solle international mehr Verantwortung übernehmen und – falls im Kampf für Menschenrechte erforderlich – „auch zu den Waffen zu greifen“. Mit dieser Wortmeldung knüpft Gauck an seine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz an, wo er im Januar für eine stärkere Rolle Deutschlands in der Welt plädierte.

In die aktuelle Debatte hat sich nun auch der Filmemacher Volker Schlöndorff eingeschalten: Er könne Gaucks Standpunkt „sehr gut nachvollziehen“, erklärt der Regisseur im Gespräch mit unserer Zeitung. „Man kann nicht eine solch’ wirtschaftliche Vormachtstellung haben und so sehr vom Export leben wie wir, ohne verantwortlich dafür zu sein, wie es den anderen geht. Wir können uns hier nicht eine Insel der Glückseligen kaufen, die sich raushält“, sagt der 75-Jährige, der für seine Verfilmung von Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ im Jahr 1980 den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewonnen hat.

Schlöndorff, der das Ende des Zweiten Weltkriegs einst als Sechsjähriger im Taunus erlebte, räumt allerdings auch ein, dass Krieg „das Letzte“ sei, was er sich wünsche. „Aber was ich mir erst recht nicht wünsche, ist, dass der Staat schwach ist und andere ihm das Gewaltmonopol klauen – wie etwa in der Ukraine. Wir haben es aber auch im Libanon erlebt oder im Kongo. Und Deutschland im Dreißigjährigen Krieg war nichts anderes.“ Ein schwacher Staat laufe Gefahr, dass andere sich die Stärke, die Gewalt aneigneten, sagt Schlöndorff. Dies gelte für ein Land ebenso wie für den „ganzen Globus“. Man müsse daher weltweit und „notfalls auch mit militärischer Macht“ dafür sorgen, „dass das Gewaltmonopol nicht in die Hände von Gangstern fällt“, ist Schlöndorff überzeugt. „So einfach ist das. Das ist die Situation, in der wir uns befinden.“

Volker Schlöndorff, zu dessen Regiearbeiten unter anderen auch „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975), „Tod eines Handlungsreisenden“ (1985) oder „Homo Faber“ (1991) gehören, bringt seinen neuen Film „Diplomatie“ am 28. August in die Kinos. In diesem Psychodrama erzählt er – basierend auf dem Theaterstück von Cyril Gély – von der Nacht des 25. August 1944 in Paris. Damals überzeugte der schwedische Konsul Raoul Nordling (André Dussollier) den Pariser Stadtkommandanten, den Wehrmachts-General Dietrich von Choltitz (Niels Arestrup), sich Hitlers Befehl zu widersetzen und die französische Stadt beim Rückzug der Deutschen nicht zu zerstören.

Michael Schleicher

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