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Brigitte Salmen, Gründungsdirektorin des Schlossmuseums Murnau, beendet nun ihre Amtszeit.

Schlossmuseum Murnau: Das ist schon was Besonderes

Murnau - Zum Abschied vom Murnauer Schlossmuseum spricht die scheidende Direktorin Brigitte Salmen im Merkur-Interview über „ihr“ Schlossmuseum, die Eigenheiten von Murnau und Verlässlichkeit.

Sie hinterlässt ein wunderbares Museum: a) im Topzustand, b) sogar mit Erweiterung im Bau und c) mit der fulminanten Ausstellung „Die Maler des Blauen Reiter und Japan“ (bis 6. November): Brigitte Salmen. „Ihr“ Schlossmuseum Murnau kann im Schnitt auf 65 000 Besucher im Jahr zählen. So jugendlich charmant, ja bisweilen verschmitzt, wie Salmen wirkt, ist es ganz unglaublich, dass sie aus Altersgründen die Position als Museumschefin aufgeben muss.

Sie waren nicht nur die Leiterin des Schlossmuseums, sondern auch dessen Gründungsdirektorin. Was war und ist das Wichtigste am Murnauer Haus?

Ja, ich habe das Museum aufgebaut. (Ab 1989 wurde das Konzept entwickelt; 1993 das Museum eröffnet; Anm. d. Red.) Das Wichtigste ist die Vielfalt, der Zusammenhang mit dem, was Ort und Landschaft geprägt haben, und die Künstler, die das aufgenommen und in ihr Werk einbezogen haben: Maler, Schriftsteller und andere kulturell tätige Menschen.

Sie mussten sehr unterschiedliche Ausstellungsfelder unter einem Dach zusammenführen: Murnauer Moos, Handel und Wandel in der Marktgemeinde, Hinterglasbilder, Schriftsteller Ödön von Horváth oder die Gruppe der Maler von Carl Spitzweg über Gabriele Münter und Wassily Kandinsky bis Max Beckmann.

Es war gerade dieser Gedanke: dass ich das, was genau hier wesentlich ist, im Museum vermittle und zusammenfüge. Damit wollte ich außerdem einen Leitfaden geben. Wenn jemand herkommt, kann er nachvollziehen, warum die Künstler hier gern gelebt und gearbeitet haben. Diese authentische Situation war mir wichtig. Das kann man nicht in aller Breite ständig in der Dauerausstellung anbieten. Es ist in der Grundlage vorhanden, wird aber kontinuierlich ergänzt. Und es wird in Sonderausstellungen weiter aufgefächert.

Gibt es etwas, von dem Sie sagen: Das ist typisch Murnau.

Einerseits das äußere Bild, dieser Straßenmarkt, den es heute noch gibt, dann die erhöhte Lage mit dem weiten Blick über das Moos, mit der Bergkulisse. Das ist schon ein ganz besonderes Panorama, das das Gesamte prägt und für die Künstler beeindruckend war. Andererseits das Bodenständige, die Kleinteiligkeit der Häuser, die Konzentration auf die Ortsmitte, das Ländliche, das damals war und heute verschwunden ist. Auch das war prägend. Das Traditionelle ist im Brauchtum vorhanden – es gibt in manchen Bereichen eine kraftvolle Überlieferung. Das sieht man bei Festen und besonderen Anlässen. Es wird im positiven Sinne geschätzt und ist nicht nur Touristenklischee. Das finde ich schön.

Aus Ihrer Erfahrung: Wie sollten Kommunen vorgehen, wenn sie ein Museum installieren?

Ich würde immer dazu raten, das Spezielle herauszuarbeiten. Es darf keine Gleichförmigkeit entstehen. Man muss einen individuellen Stellenwert besitzen in dem, was man präsentiert, in dem, was man erarbeitet. Die Besucher müssen denken: Aha, da ist was Besonderes, das gehört genau an diesen Ort – da muss ich hinfahren. Dann das zweite: die Qualität. Man muss alles entsprechend professionell und kompetent entwickeln.

Das Schlossmuseum hat sich hervorragend etabliert. Damit haben Sie auch Vertrauen von Sammlern gewinnen können, bekommen wie jetzt Leihgaben sogar vom Puschkin-Museum in Moskau. Worauf ist zu achten?

Zuverlässig muss man sein, vertrauenswürdig. Man muss auf der Museumsebene kompetent arbeiten, die Exponate müssen gut behandelt werden, das heißt, die konservatorischen, fachlichen und Sicherheits-Bedingungen müssen wirklich stimmen. Dann bekommt man das Vertrauen – und die Leihgaben.

Der Blaue Reiter ist eines Ihrer Kerngebiete. Sind die Ideen dazu, die Ausstellungsmöglichkeiten bald erschöpft?

Nein! Es gibt zum Beispiel Künstler aus dem Umkreis, die noch wenig beachtet wurden. Es gibt Themen, zu denen man Verbindungen herstellen kann; man könnte Stränge historischer Art ziehen. Man sollte das nicht dauernd machen, das habe ich als Museumsleiterin ja auch nicht getan. Sonst wird dieser Komplex überstrapaziert, und die Leute sagen: Oh Gott, schon wieder Blauer Reiter! Wir haben zum Glück ein breites Spektrum.

Das Buchheim Museum in Bernried und das Kocheler Franz-Marc-Museum: Sind das gefährliche Konkurrenten, oder hilft diese Museumsdichte?

Ich denke, dass sie nützt. Natürlich ist es ein Wettbewerb – im Positiven: dass man sich anstrengt, dass man etwas Gutes bieten will. Den Besuchern wird es so gehen, dass sie denken: Es lohnt sich, diese Region zu besuchen, weil ich dort so viel anschauen kann. Das ist sicher eine Bereicherung. Es mag Schwierigkeiten geben, wenn hier und dort Blauer Reiter gezeigt wird, und man selbst überlegt, was sollte man danebensetzen? Es geht darum, sich gut nebeneinander herzubewegen. Insgesamt aber ist es für die Menschen attraktiv.

Sie sind nun bald in die Freiheit entlassen. Werden Sie weiter als Kuratorin tätig sein?

Das lasse ich auf mich zukommen. Ich habe Pläne, möchte arbeiten, auch ehrenamtlich tätig sein. Dann gibt es einiges, was ich privat vernachlässigt habe. Es kann durchaus sein, dass die Frage kommt, ob ich hier einmal eine Ausstellung gestalten möchte...

Das Gespräch führte Simone Dattenberger.

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