Mann sticht mehrere Menschen in Finnland nieder

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Hier greift die Dame zu den Rudern: Gabriele Münters leuchtende „Bootsfahrt“ aus dem Jahre 1910.

Schlossmuseum: Potpourri der Urlaubsfreuden

Murnau - Das Schlossmuseum Murnau widmet sich mit „Endlich Ferien!“ der Sommerfrische in der Kunst.

Draußen legen sich die Knospen dicke Bäuchlein zu und überlegen, ob sie – trotz Wintereinbruch an Ostern – frühlingsgemäß platzen sollen, drinnen flutet einem das Licht des Sommers entgegen: Das Schlossmuseum Murnau lädt ein zu „Endlich Ferien! Von Sommerfrische und Müßiggang“, die ideale Ausstellung für einen traditionsreichen Urlaubsort, der obendrein zahlreiche Künstler angezogen hat. Und die stehen im Mittelpunkt dieser Schau. Aber erst einmal kommt der Zug an beziehungsweise hält auf seiner Fahrt von München nach Garmisch-Partenkirchen in Murnau. Ein fesches Plakat von 1928 wirbt mit der neuesten Errungenschaft, der elektrifizierten Eisenbahn. Sie braucht statt drei Stunden (1879) nur noch 90 Minuten ins Gebirge.

Die Sommerfrischler kamen vor allem ab Ende des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus beweist ein Skizzenbüchlein – reizvolle Murnau-Silhouette –, dass schon 1853/54 ein Carl Spitzweg mit Freund Eduard Schleich d. Ä. die Voralpen-Schönheiten genoss. Die Neugier war also da und wurde von Autoren wie Ludwig Steub und seinem Buch „Das bayerische Hochland“ (1860) befeuert.

Die Geschäftsleute reagierten, und so wurden nicht nur Fremdenzimmer angeboten, Kurhotel und Badeanstalt errichtet, sondern auch Wanderkarten und Naturführer aufgelegt. All das zeigt die Ausstellungen (kuratiert von Museumschefin Sandra Uhrig) in einem unterhaltsamen Potpourri inklusive Musterbuch eines Postkarten-Verkäufers und Ferienfotos – bevorzugt am See.

Da sieht man sehnige Fischer, die die Stadtleut’ in erstaunlich großen Booten auf den Staffelsee hinausrudern. Und dann bewundert der Betrachter, wie Gabriele Münter das in einer ihrer „Kahnpartie“-Varianten umgesetzt hat. Hier greift die Dame (Münter) zu den Rudern und fährt mit der Freundin (Marianne von Werefkin) und ihrem Söhnchen übers Wasser. Die Hüte leuchten als blaue, rote und gelbe Scheiben auf der Bildfläche. Man spürt buchstäblich die Ferienfreude in jedem Pinselstrich. Selbstverständlich finden sich Münter und Wassily Kandinsky in den Fremdenbüchern Murnaus, die jeden Gast genau verzeichneten, wo er abstieg und sogar wenn er umzog.

Nicht auf dem Wasser, sondern im Wasser bleiben wollten die Besucher des neuen Strandbades. Die Hütterl dafür wurden jedes Jahr auf Pfosten in die seichten Bereiche gebaut, sodass die Damen vor unsittlichen Blicken geschützt in die Fluten tauchen konnten. Auf den Aufnahmen mit Dramatiker Ödön von Horváth merkt man, dass es in den 1920er-Jahren bereits lockerer zuging. Das griawige Badetreiben schilderte Hugo Troendle, der im Übrigen grummelte, dass ihn die Berge malerisch gar nicht inspirierten. Das Nichtstun in der Sommerfrische, bevorzugt von schönen Frauen, verewigten Friedrich August von Kaulbach, Edward Cucuel, Karl Hubbuch, Julius Exter oder Max Beckmann, mal feurig, mal federzart, mal süßlich. Mit diesen Malern zieht die Murnauer Präsentation schließlich ihre Kreise bis zum Würm-, Tegern- und Chiemsee. Schwenkt per Fotografien sogar nach Tölz zur Familie Thomas Mann.

Schriftsteller und Musiker haben es in Ausstellungen naturgemäß schwer, gegen die bildmächtigen Malerkollegen anzukommen. Im Katalog freilich werden die Komponisten Sergej Prokofjew oder Edward Elgar genauso als Sommerfrischler gewürdigt wie Philosoph Walter Benjamin oder Filmgenie Friedrich Wilhelm Murnau (eigentlich: Plumpe). Enttarnt wird außerdem, dass das Alpenvorland für Paare offenbar das ideale – großräumige – Liebesnest war: von Münter und Kandinsky über D. H. Lawrence und Frieda von Richthofen bis Lou Andreas-Salomé und ihren Rainer Maria Rilke.

Daneben gab es auch die gesetzten und erfolgreichen Herrschaften, die sich mehr leisten konnten als eine kurze Sommerfrische. Am prägendsten für Murnau wurden wohl Gabriel und Emanuel von Seidl (auch er lange „wild“ mit Maria Luberich verbandelt). Er baute sich wie sein Bruder eine Villa – und verschönerte außerdem den Ober- und Untermarkt. Obendrein brachte er viele Künstler als Gäste an den Ort, ja sogar Max Reinhardts komplette „Sommernachtstraum“-Inszenierung. Am Ende der Schau wird noch einmal mit einem kleinen Bilderreigen von Max Liebermann bis zur Gegenwart der Sommer in den Frühling hereingezogen, damit auch alle fühlen: „Endlich Ferien!“

Simone Dattenberger

Bis 1. Juli,

Di.-So. 10-17 Uhr,

Telefon 0884/ 476 207,

Katalog: 20 Euro.

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