Schlümpfe im Laufstall

- Der selbst ernannte "Wundergreis" versteht, seinen 70. Geburtstag üppig zu feiern: Seit März beschenkt Performance-Künstler und Kulturtheoretiker Bazon Brock sich selbst und sein Publikum. Mit "Lustmärschen" in elf Städten. In denen er, abstrakt ausgedrückt, die Musealisierung zum Gegenstand einer Ausstellung macht; in denen er, konkret gesagt, den Besuchern Kunst und Krimskrams aus vielen Jahrzehnten, etwa Herrensockenhalter oder seinen eigenen Sargdeckel, zeigt.

Sein persönliches "Kierkegaard'sches Wohnzimmer" nennt er es, weil in den Installationen die ganze Welt drinstecke. Praktischerweise nimmt sich Bazon, auf Deutsch "Schwätzer", persönlich Zeit, seine Werke an Ort und Stelle zu erklären - vom heutigen Samstag bis 26. Juli im Haus der Kunst.

Die Party, pardon: Denktournee gastiert also in München. Vorab lud Brock mit dem Philosophen Peter Sloterdijk einen Festredner ein, der ihm hymnisch huldigte: Brock, das "Großzügigkeitsphänomen", sei "ein Mensch, der kein Unbewusstes hat - zumindest nicht im Sinne eines Freud'schen Verdrängten". Er arbeite an sich selbst "in permanentem Tagebau", analysierte Sloterdijk, bevor er die Tradition aufzeigte, in der er Brock sieht: Duchamp, Dalí´, Beuys und Nietzsche. Während der Laudator aufrecht stand und sich in Worten verbeugte, umklammerte der Gepriesene ungerührten Blickes das Programmheft.

Als hingegen Brock durch sein "Theoriegelände" führte, staunte selbst Sloterdijk mit offenem Mund. Dass eine mit Sätzen von Cosima Wagner tapezierte Stube und ein Tisch mit Reichsadler drauf für das gescheiterte Experiment der "deutschen Ideologie" steht - leicht zu verstehen. Aber warum winken aus einem Riesenlaufstall, umringt von Krawatten und Waffenspielzeug, die Schlümpfe? Nun, besungen hat die blauen Gesellen ein "Vader Abraham", und auf Abraham berufen sich bekanntlich Juden, Christen und Moslems - eine religionstheoretische Deutung liegt also nahe. Brock liefert sie Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr, donnerstags ab 18 Uhr.

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