Schlüpfrige Ansichten

- "Geliebtwerdenwollen" - dieses zentrale Lebensmotiv nahm Tanztendenz-Mitglied Yvonne Pouget zum Anlass für ein Stück in fünf Bildern: "Pane in cielo". Im zeitgenössischen Stil-Spektrum repräsentiert die Wahl-Münchnerin eine europäische Variante des japanischen Butoh-Tanzes. Und in west-östlicher Zeitdehnungs-Pantomime bewegen sich auch ihre Flüchtig-Vignetten um Eros & Thanatos (Münchner i-camp).

<P>Dass ihr Tanz aus einem starken Willen zu Provokation und Anderssein heraus entsteht, hat Yvonne Pouget schon früher demonstriert. Hier also zuerst, als minutenlange (ziemlich) schlüpfrige Peepshow-Hinteransicht: nackte Beine auf Stöckeln, rundes Gesäß in knappster rosa Spitzenwäsche. Sehr langsam wächst und schraubt sich der Torso hoch und zum Publikum, das Gesicht unter Zellophan platt zerquetscht: eine "Lebendige Tote" (Bildtitel).</P><P>Pougets Zeitlupen-Qualität, ihre Gestik, welche die zarte Bewegungspoesie von Butoh-Altmeister Kazuo Ohno ins Lasziv-Träge transportiert, das ruft auch in den folgenden Bildern beim Zuschauer eine unangenehme Mischung aus Faszination und Abgestoßensein hervor. Was ja schon was ist. Und Pougets insistierende, befremdlich schöne Barbiepuppen-Präsenz, mit schwarzer oder blonder Perücke, holt gewiss auch metaphorisch ein, was Mensch tut, um Unzulänglichkeiten und Mängel zu maskieren. Aber darüber hinaus entwickelt sich nichts.</P><P>Pougets Konzept klebt dünn an der Exhibitionismus-Oberfläche - erst recht mit ihren im Wiegeschritt geschleppten zwei Pythonschlangen. Den Osteopathen Thierry Paré´ als Partner einzubeziehen, bleibt vorerst mutiger Versuch. Umrankt von Musiken in jeder Lautstärke und Videos, war's für die beiden zumindest, laut Titel, das "Brot im Himmel".</P><P>Bis So., Tel. 089/ 65 00 00.<BR></P>

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