Der Schlüssel passt

- Dieselbe Inszenierung, aber in eineinhalb Jahren schon der dritte Dirigent: Das ist ein dürftiges Ergebnis, misst man es etwa an Karl Böhm, der respektable 18 Salzburger Spielzeiten lang Mozarts "Così fan tutte" betreute. Ist das Stück womöglich kniffliger, undankbarer, als man meint? Nach Simon Rattle (von vornherein nur für Ostern 2004 vorgesehen) und Philippe Jordan, der offenbar entnervt vom lässigen Probenplan der Wiener Philharmoniker hinschmiss, steht nun Adam Fischer am Pult im Großen Festspielhaus. Eine Kompromisslösung? Weit gefehlt: ein Glücksfall.

Anders als beim Bayreuther "Ring", der unter seiner Leitung in den letzten Jahren doch deutlich verflachte, hat Fischer ein Händchen für Mozart. Und der Mannheimer GMD kann die Wiener Philharmoniker, hier zuletzt bei "Traviata" und "Zauberflöte" in edlem Mittelmaß erstarrt, wirklich aus der Reserve locken. Rhetorisch reichhaltig ist seine "Così`", analytisch durchdacht, dabei Wärme und Charme, sublimen Humor und Tiefsinn ausstrahlend. Fischer findet den Schlüssel zu dieser Partitur. Und wenn ihm Sänger wie Instrumentalisten nicht immer automatisch folgen, wenn manches im zweiten Akt sogar zerbröselt, dann mag das auch an der Örtlichkeit liegen.

Denn Ursel und Karl-Ernst Herrmann (Regie/ Ausstattung) bespielen tatsächlich die gesamte, akustisch ungünstige Bühne, ziehen Ensembles oft in die Breite, wo eigentlich konzentrierte Intimität erforderlich wäre. Auch beim wiederholten Hinschauen wird man mit ihrer kühlen, keimfreien Deutung nicht froh, die den Frauentausch als zynische, ästhetisch polierte Laborsituation begreift: schön anzuschauen, aber irgendwie leblos.

Wobei die "Altstars" das konterkarieren: Helen Donath ist im siebten Lebensjahrzehnt eine Despina von ungebrochener vokaler Frische und Süße, neigt darstellerisch allerdings zum Überzeichnen. Und die souveräne, dämonische Grandezza, mit der Thomas Allen als Alfonso die Strippen zieht, hätte womöglich gar keine Regie-Impulse benötigt.

Drei Neulinge sind in diesem Sommer dazugekommen: Maite Beaumont singt eine stilistisch gute, wohlerzogene Dorabella, ist für die Partie eine Spur zu lyrisch. Auch Russell Braun agiert als Guglielmo nur auf halber Flamme, obwohl er doch mit markigem Bariton protzen könnte. Und Christoph Strehl wäre - mit lockerer Tongebung und intelligenter Phrasierung - ein idealer Mozarttenor, wenn ihm nicht vieles eine Schwebung zu tief geriete.

Ist aber auch schwierig, gegen eine solche Fiordiligi zu bestehen: Tamar Iveri führt ihren eigentlich groß dimensionierten Sopran traumwandlerisch durch die Partie, verbindet genaue Linienzeichnung mit dramatischer Substanz. Die Georgierin ist zurzeit eine der vielseitigsten Sopranistinnen - und übrigens im April 2006 in München mit Verdis Requiem bei den BR-Symphonikern zu erleben. Am Ende rauschender, nicht übermäßig begeisterter Beifall. Womöglich hatte man sich ja an der Herrmann-Regie erkältet.

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