Schmachten bis die Kasse klingelt

Duett-CD von Netrebko und Villazón: - Nein, sie haben nichts miteinander. Zumindest nicht bis gestern. Aber die holde Zweisamkeit von Anna Netrebko und Rolando Villazón lässt sich eben PR-technisch wunderbar auszuzeln -­ inklusive Schmacht-Schmieg-Fotos im Booklet der aktuellen CD, die am 2. März erscheint. Und zum ersten Mal, beim Anhören dieser Duette, hat man das Gefühl, dass all das Trara wirklich begründet ist.

Obwohl: Villazón hat den Beweis längst erbracht. Ob als Nadir ("Perlenfischer"), Rodolfo ("Bohème") oder in "Roméo et Juliette": Der Mann singt wieder um sein Leben. Bei ihm kommt alles zusammen ­ Stilbewusstsein, Schönheit des Timbres, Emotion und eine gestalterische Klugheit, mit der er seiner Partnerin im "Lucia di Lammermoor"-Duett vorführt, wie das berühmte Thema zu phrasieren ist.

Die Netrebko liefert mit diesen Opernausschnitten ihre bislang beste CD ab. Gern lässt sie sich von Villazón, auch vom Hochdruck-Dirigat Nicola Luisottis anstacheln. Jeder Spitzenton wird beherzt und schonungslos angepeilt. Am besten ist die Netrebko ­ als Juliette oder Manon ­, wenn ihre Mittellage gefragt ist, wenn sie die Stimme öffnen kann und ihr besonders als Manon Zwischentöne gelingen, die man von ihr bislang kaum vernommen hat. Gerade das französische Fach (abgesehen von Tschaikowskys "Iolanta") steht der Netrebko gut.

Besser jedenfalls als die Lucia, wo sie bei Höhenlagen allenfalls ein frostiges Flötenregister bietet. Zugleich ist diese CD der perfekte Appetithappen für Kommendes: "Manon" in Berlin, drei ausverkaufte Münchner "Bohèmes" und wahrscheinlich ein halbes Dutzend Opern-Einspielungen. Veranstalter und CD-Bosse haben wohl schon ein Knalltrauma vom Kassenklingeln.

Anna Netrebko, Rolando Villazón: "Duets". Staatskapelle Dresden, Nicola Luisotti (Deutsche Grammophon).

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