Schmackhaftes Dressing

Wir sind Helden: - Wer ein Held sein will, zumal ein tragischer, der bedarf einer Fallhöhe. Die Berliner Band "Wir sind Helden" spielt zwar kein Theater, und ihre Texte sind allenfalls tragikomisch. Ein beachtliches Niveau hat sich Gruppe in den vergangenen vier Jahren dennoch erarbeitet. Jetzt hat sie ihre dritte CD "Soundso" veröffentlicht. "Die Reklamation", das 2003 erschienene Debüt album der Band, änderte den Ton in der deutschen Popmusik. Die Helden schenkten ihr eine ungewohnte Leichtigkeit, ohne dabei belanglos zu sein.

Tatsächlich zählen die Verse von Sängerin Judith Holofernes zu den geistreichsten deutschen Songtexten, weil sie Wortwitz, Poesie, eine kritische politische Haltung und ein Gespür für gesellschaftliche Befindlichkeiten vereinen. Auf "Soundso" ist eine Band zu hören, die darum bemüht ist, ihre musikalischen Grenzen zu versetzen. Aus der einen Ecke röhrt mal ein Saxophon-Solo, gegenüber soll ein Sprechgesang für Dynamik sorgen. Aber auch wenn ein Lied wie der Titelsong mit zweistimmig intonierten Gitarren und Prog-Rock-Würze beginnt, mündet alles doch wieder in das typische, durchaus schmackhafte Helden-Sound-Dressing.

 Gute und schlechtere Songs tanzen auf der Platte Ringelreihen. Die Nummer "Die Konkurrenz" brilliert mit einer fiesen Kontrastierung zwischen wärmender Musik und wolkenverhangenem Text: Über einem sonnendurchfluteten Bläsersatz, der in jeder Eis-Werbung beheimatet sein könnte, reflektiert Holofernes über eine Gesellschaft, deren destruktiv-treibende Kraft erbitterter Konkurrenzkampf ist. "Hände hoch" ist mit seiner anrührenden Melodie tatsächlich entwaffnend. Und bei dem über die Kommunikationsmöglichkeiten resignierendem "Stiller", brilliert Holofernes wieder textlich: "Ich bin nicht stiller, nur die Worte verfehlen ihr Ziel."

Daneben reihen die Helden auch erstmals belanglose Verse in dahinplätschernden Liedern wie "The Geek" und "Labyrinth" aneinander, und die zickige Funk-Hymne "Ode an die Arbeit" taumelt mit ihrem Text am Abgrund des guten Geschmacks. Richtig auf die Nerven geht aber "Endlich ein Grund zur Panik". Wenn Holofernes zum räudigen Rock-Riff mit hysterisch-schriller Stimme den Titel-Slogan mantrahaft wiederholt, erzeugt sie tatsächlich Panik: dass der Song gar nicht mehr enden will. "Soundso" ist kein Absturz, aber ein retardierendes Moment. Das Denkmal der Helden, das die Band laut ihrer eigenen Worte nie wollte, bröckelt deswegen noch lange nicht.

Wir sind Helden:

"Soundso" (EMI).

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