Am Schmelzpunkt

- Eine E-Gitarre simuliert das Knattern einer Harley. Über die wellig drapierte Leinwand fliegt ein Motorradschatten - und lockeren Schritts federt "Rockin' Santa Kraus" in roter Ganzmontur auf die Bühne. Als Weihnachtsmann müsse er ja eigentlich mit dem Rentier reisen. Aber seines habe schon eine Alkohol-rote Nase, zu gefährlich, moderiert Peter Kraus seine Weihnachts-Show an - mit nicht gerade enorm inspiriertem Scherzchen.

<P>Den klassizistisch-monumentalen Münchner Herkulessaal im Sturm zu erobern, fiel sichtlich auch Deutschlands ewig jungem Elvis nicht so leicht.<BR><BR>Doch der Profi ist an harte Arbeit gewöhnt. Streichelt seine Fans gleich mit "Jingle Bells", in dem die sanft jazzende Sechs-Mann-Band - aus der sich auch später immer wieder Olaf Krügers filigran schwebende Trompete heraushebt - schon mal durchblicken lässt, was sie kann. </P><P>"Santa Peter" wirbt mit dem Charme des netten Typs von Nebenan, was er ja auch ist, so unter der Hand fürs eigene Weitermachen - wie die berühmten Kollegen Paul McCartney und Harry Belafonte. Er habe viele Päckchen mitgebracht: an die 30 Songs darin. Amerikanische Weihnachtslieder wie "Merry Christmas Everyone", "Blue Christmas", "White Christmas" und das deutsche "Lass es schnei'n" im schmelzigen Duett mit der hübschen Background-Sängerin Melanie Stoeck. Perfekt dazu die Projektion von Tannenbäumchen, kreisenden Eiskristallen. </P><P>Und wirbelnde Geometriemuster plus regenbogenfarbiger Scheinwerfer-Choreographie, wenn es rockiger wird und Kraus das Standmikro und seinen fitten Body, noch sehr hüftig, mitrocken lässt.<BR><BR>"Gar nicht mehr so leicht, den Tiger zu markieren", belächelt er seinen tänzerischen Einsatz. Keine falsche Bescheidenheit "Santa"! Kraus beweist Kondition und ist bestens bei Stimme, ob nun als "Tiger", "Teddy Bear", "Devil in Disguise" oder mit den alten Kraus-Hits "Sugar Baby" und "Wenn Teenager träääumen". </P><P>Kein Wunder, dass die (vielen weiblichen) Fans juchzen, aufstehen, mitwippen. Am besten aber kommt seine Stimme rüber, wenn er auf den echten, den Rock 'n' Roll der 50er-Jahre zurückkommt, ohne die im Grunde musik-tötende Verstärker-Technik. Da könnte er mit getroffen kehligem Elvis-Sound sogar kühle Anti-Nostalgiker zum Schmelzen bringen. </P>

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