Schmetterlinge im Bauch - Die Villa Stuck widmet sich den "Allegorien der Liebe"

München - Es fehlt nicht an der Liebe. Das zumindest ist der erste Eindruck, den die Münchner Villa Stuck mit ihrer neuen, außergewöhnlich (umfang-)reichen Schau vermittelt: "True Romance. Allegorien der Liebe von der Renaissance bis heute". Tatsächlich ist das Haus von Kopf bis Fuß - in diesem Fall: von Giebel bis Keller - auf Liebe eingestellt.

Der einzige Haken der von Belinda Grace Gardner (Hamburg) kuratierten Ausstellung, die gerade aus Wien kommt und demnächst nach Kiel geht, ist das Wörtchen "true" im Titel. Denn mit wahrer, also erfüllter Liebe allein begnügt sich dieses kunsthistorische Rendezvous mit 150 gattungsübergreifenden Werken aus acht Jahrhunderten nicht. Schließlich litt auch schon Francesco Petrarca (1304-1374) in seinen Sonetten an die ferne, da unbekannte Geliebte Laura an einer qualgegerbten Brust voll Liebesfreud und Liebesleid. Als Vater und Trendsetter einer leidenschaftlichen subjektiven Liebeslyrik, die sich bald auch in der Malerei niederschlug, ist Petrarca der erklärte Keim der Ausstellung.

Man begegnet ihm auch gleich zu Beginn: in außerordentlichen Buchillustrationen aus der Sammlung Speck (Köln). Umgeben von Franz von Stuck, Max Klinger und Dante Gabriel Rossetti ließe sich nun leicht von einer Romanze der zarten Blicke und Berührungen träumen. Doch Richard Prince zerstört die Stimmung: Sein kurzes dialogisches Blind Date "Joke" (1991) endet abrupt und hoffnungslos. Dies bleibt längst nicht der einzige Dämpfer eines möglichen Liebesglücks.

Während man durch die Gefilde der allegorischen Hauptfiguren Amor und Venus streift sowie durch Themenkomplexe wie Trennungen/ Verschmelzungen oder auch Vermarktung, trifft man auf eingefrorene Schmetterlinge-im-Bauch (Damien Hirst), bedeutungslose Endlosküsse (Douglas Gordon), silberne Spielgeldherzen (Katharina Fritsch). Im gefährlichen Duell an Amors Bogen wird die Liebe bei Marina Abramovic gar zum Balanceakt zwischen Leben und Tod.

Blinde Love-Chats sind heute "in" - doch auch in neuen Zeiten eifert man alten Idealen nach. So spielt etwa eine Handvoll Künstler des 20. Jahrhunderts in Film, Foto, Installation, Collage mit berühmten Venus-Darstellungen (meist Botticellis) als Zitat. Und so beherrscht der amerikanische Pop-Art-Künstler Mel Ramos die historischen Räume - unter den strengen Augen Franz von Stucks, der mit nicht wenigen Werken ebenfalls vertreten ist - mit "David's Duo" (1973), einer kalifornischen Adaption des klassizistischen Gemäldes "Amor und Psyche" von Jacques-Louis David.

Da die Liebe mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten also zeitlos zu sein scheint, verzichtet die Schau auf eine chronologische Hängung. Und so ereignet es sich etwa, dass sich Tracey Emins rosarote Leuchtbuchstaben und Edvard Munchs Einsamkeiten in ihren "Abgründen der Liebe" addieren. Oder dass Albrecht Dürer zum Dialog mit den modernen plastischen Liebeserklärungen von Felix Gonzalez-Torres (ein Berg Silberbonbons, der genauso viel wiegt wie der Künstler und sein Freund) oder Mariella Mosler (versilbert austreibende Kartoffelherzen) herausgefordert wird.

Tief unten in der Villa Stuck, beinahe am Endpunkt dieser vielgestaltigen Romanze, trifft man dann auf die amerikanische Fotografin Nan Goldin. "Liebe ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit", gibt sie der Schau, wohl auch im Sinne Petrarcas, das passende persönliche Schlusswort.

Bis 12. Mai;

Di. bis So. 11-18 Uhr. Tel. 089/ 455 55 10; Katalog 29 Euro.

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