Schmuse-Musik aus dem Gebüsch

- Baureferent Host Haffner ist die Erleichterung anzumerken, dass zumindest dieses Stück des Mittleren Rings seinen Wünschen gemäß (fast) vollendet ist: der Petuelpark mit seinem Kunstprojekt. Denn bei der Begehung des 900 Meter langen Geländes zwischen Belgrad- und Leopoldstraße mit der Presse steckte ihm die Enttäuschung über die Stadtrats-SPD noch in den Knochen: Die versucht, ein anderes großes Projekt, die imposante Skulptur "Mae West" am Mittleren Ring Ost, zu torpedieren. Im Juli soll das Plenum entscheiden. Haffner hat sich immer für das Konzept "Kunst am Bau" eingesetzt und verteidigt es jetzt in finanzarmen Zeiten. Man dürfe soziale Bauten nicht gegen Kunst ausspielen - und: Die Selbstverpflichtung der Stadt, einen kleinen Prozentsatz der Baukosten für Kunst auszugeben, sei in der Weltwirtschaftskrise der 20er-Jahre erfolgt!

<P>Die Arbeiten im Petuelpark hatten es nicht so schwer, akzeptiert zu werden wie "Mae West", weil der Kurator Stephan Huber, selbst Künstler, nicht auf Monumentalität gesetzt hat, sondern eher auf humorvolle Konzepte, die "durch Unvorhersehbares Nachhaltigkeit erzielen". Außerdem sollten sich "Kunst und Gartenkunst befruchten und nicht konterkarieren". So trumpft auch das Konzept der Landschaftsarchitekten Stefanie Jühling und Otto A. Bertram nicht pompös auf. Der Park soll "großzügige Weite" bieten ohne viele "Einbauten"; "wir wollten ein grünes Band freihalten", so Jühlich, damit auch die "tolle Optik" mit den Hochhäusern zur Geltung komme. Einziger "Einbau" wird Uwe Kiesslers Café´ auf der Höhe der Klopstockstraße sein, das aus Geldmangel aber erst im Frühling 2005 fertig wird. Dort wird es neben Leibes-Labsal einen Museums-Schauraum mit ganz junger Kunst geben (kuratiert vom Lenbachhaus) und diverse Veranstaltungen.<BR><BR>Der Garten selbst spielt auf zwei Ebenen, da der Tunnel einen Buckel macht. Dadurch hat man Probleme mit dem Grundwasser umgangen und viel gespart. Auf der "Höhe" verlaufen die luftigen Linien. Unten am Nymphenburger-Biedersteiner-Kanal, der beschaulich dahinmurmelt, geht's mit Rosenhag samt Aribert von Ostrowskis Märchenhinweis und Pritschl-Becken intim zu. So ein Rückzugs-Eckerl bietet Rodney Graham mit einem Eiben-Zimmer. Täglich um Viertel nach vier Uhr ertönt aus dem Gesträuch dann auch noch ideale Musik zum Schmusen: "I'm on an island" von The Kinks, eingespielt von Grahams eigener Band. Laut gibt übrigens auch Pia Stadtbäumers Muli, der sich drehend mal eselig iaht, mal als Pferd wiehert. Sein jugendlicher Reiter hat ihn bepackt mit Bergen von Einkaufstüten inklusive Ghettoblaster, Schlittschuhen und Lampe. <BR><BR>Geysir aus den Stiefeln</P><P>Natürlich gehören zu einem Park Brunnen. Der unauffälligste und verrückteste ist der von Roman Signer. Ahnungslos beäugt der Spaziergänger ein altes Paar Gummistiefel, offenbar zurückgelassen von einem Gärtner. Da schießt plötzlich aus ihnen eine Fontäne hoch, als brodle unter München heißes Geysir-Wasser. Und dann das zweite Paar Stiefel, das nur Luft verströmt: "Eine kleine, beiläufige, valentineske Arbeit als Entré´e in den Park", so Stephan Huber schmunzelnd. Wasser fließt außerdem an den Spielplätzen, steigt ab 2005 am Fontainenplatz hoch, quillt aus Hans von Houwelingens Maria-Statue und Harald Klingelhöllers schwarzweißen Rednerpulten. <BR><BR>Mehr aufs Schauen verlegt haben sich Bogomir Ecker, Raimund Kummer und Dietmar Tanterl. Der sorgt mit Scheinwerfer-Technik von Autos (obwohl die einige Meter tiefer fahren) dafür, dass der Park auch nachts benutzbar ist. Zu den düsteren Tiefen stellt auch Eckers Vogelhäuschen-Periskop eine Beziehung her. Man kann damit den Verkehr im Tunnel beobachten. Und Kummer packt uns gleich beim Sehnerv. Die gigantischen grünen Blumenzwiebeln aus Glas samt Wurzeln und schlappen Blättern erweisen sich als Augäpfel - im Gewächshaus.<BR><BR>Aber es sind wohl alle Sinnesfreuden, die den Petuelpark zu einer neuen Stadtattraktion machen.</P><P>Eröffnungsfest Sonntag ab 11 Uhr; Kunst-Infos www.quivid.de, Tel. 089/ 23 36 04 89.<BR></P><P> </P>

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