Musikalisch, bayerisch, launig: Heinz-Josef Braun (li.) und Stefan Murr haben Spaß am Märchenerzählen. Fotos: Marcus Schlaf

Gebrüder Grimm

Schneewittchen auf Bairisch

München - Die Märchen der Gebrüder Grimm kennt jeder. Aber nicht so! Die Schauspieler Heinz-Josef Braun und Stefan Murr nehmen den historischen Stoff und basteln daraus bairische Geschichten mit viel Musik. Jetzt kommt auch Schneewittchen auf CD.

Am Isarhochufer, da steht ein Märchenschloss. Drinnen wohnen der bayerische König Fescher Max I. und seine Königin Jütte-Merle aus Hamburg. Sie haben eine wunderschöne Tochter. Der Papa wollte sie ja eigentlich Fescher Max II. nennen, aber das fand die Mama nicht feminin genug. Also heißt das Kind jetzt eben Schneewittchen. Alles wäre in schönster Ordnung, wäre da nicht die böse Hexi, die es auf den Feschen Max abgesehen hat. Erst verwandelt sie Jütte-Merle in eine Trauerweide und dann – als der König nichtsahnend bei der Weißwurst-Wettess-Weltmeisterschaft in Regensburg weilt – nimmt sie sich die Tochter vor.

„Eigentlich sind wir ziemlich nah am Original“, findet Heinz-Josef Braun. Dann überlegt er kurz und muss selbst schmunzeln. Klar, die Grundgeschichte des bayerischen Schneewittchen ist schon noch die, wie sie die Gebrüder Grimm vor knapp 200 Jahren aufgeschrieben haben. Drum herum aber haben Braun und sein Partner Stefan Murr einen komplett neuen, bayerischen Rahmen gebastelt.

Braun und Murr sitzen im Turmstüberl des Valentin-Musäums am Isartor. Hier oben, an diesem verwunschenen Ort überm Altstadtring, lesen die beiden öfter ihre Geschichten. Jetzt erzählen sie davon, wie alles angefangen hat. Mit Nachwuchs nämlich. Stefan Murr wurde Papa und beschloss, etwas für Kinder aufzunehmen. Kurz darauf saß er – eher zufällig – bei einer Feier seiner Agentur neben Heinz-Josef Braun. Der war von der Idee begeistert. Seitdem sind sie ein Team.

Ein in München durchaus bekanntes Team. Murr spielt seit Jahren am Volkstheater und im Fernsehen, bekannt ist er aber vor allem, weil er am „Nockherberg“ den Guttenberg gab (oder gibt?). Braun wiederum stand 18 Jahre lang als Bassist von Haindling auf der Bühne. Als Schauspieler wirkte er unter anderem bei „Wer früher stirbt, ist länger tot“ mit. Beide arbeiten noch an vielen anderen Projekten, das mit den Märchen fing eher als Zubrot an. „Das hat uns anfangs eine große Gelassenheit verschafft“, erinnert sich Murr. Inzwischen hat sich das Projekt verselbstständigt: Immer mehr Schulen rufen an und buchen die beiden für eine Vorstellung.

„Es ist eine sehr archaische Form des Erzählens“, sagt Braun. „Wir setzen uns vorne hin und tragen was vor.“ Halb gespielt, halb gelesen sind die Märchen live tatsächlich ein noch schöneres Erlebnis als auf CD. Eine Stunde dauert das, ganz schön lang für Kinder (in der Regel ab sechs Jahren). Aber die Kleinen bleiben dabei, hören zu und lassen in ihren Köpfen Bilder entstehen. Von wegen Computergeneration! „Es ist wirklich super, wie viel Platz in so Kinderköpfen noch vorhanden ist“, sagt Braun. Am liebsten ist ihnen aber, wenn die ganze Familie kommt.

Zwei CDs haben sie bislang in Brauns Grünwalder Tonstudio aufgenommen. „Die bayerischen Bremer Stadtmusikanten“, von denen schon 3000 Stück verkauft wurden, und eben Schneewittchen. Der gestiefelte Kater ist in Vorbereitung. „Das Bairische hat plötzlich ungeahnte Möglichkeiten, auf kulturell hohem Niveau ein breites Publikum anzusprechen“, sagt Braun. „Das ist ein Riesen-Spaß für uns.“ Für die Kinder auch.

Verlosung

Wir verlosen fünf handsignierte CDs des „Bayerischen Schneewittchens“ – unter allen Lesern, die am Wochenende unter 01379 / 88 00 04 (Legion, 50 Cent aus dem Festnetz) anrufen und das Lösungswort „Märchen“ nennen. Live gibt es das Duo Braun/Murr am Sonntag, 9. Dezember, bei einer Benefizveranstaltung für YoungWings im Mathäser Filmpalast zu sehen. Beginn ist um 11 Uhr. Eine Vorführung am 2. Dezember im Valentin-Musäum ist ausverkauft.

Mike Schier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich liebe Happy Ends!“
Sie trifft den Puls ihrer Generation. Am Samstag kommt die Poetry-Slammerin Julia Engelmann in den Münchner Circus Krone, Restkarten gibt es mit etwas Glück an der …
„Ich liebe Happy Ends!“
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Der Umgang mit der Neuen Rechten hat die Frankfurter Messe von Beginn an beschäftigt. Beim Besuch des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke kommt es am Samstag zu Konfrontationen …
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
LaBrassBanda ist alles andere als eine gewöhnliche Band. Da passt auch das neueste Konzert der Gruppe ins Bild: Auf 1300 Metern Höhe spielen die Musiker vor ihren Fans …
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Mit der Eröffnungsgala „Es ist soweit!“ feiert das Münchner Gärtnerplatztheater an diesem Wochenende seine Rückkehr ins renovierte Stammhaus. Lesen Sie hier die …
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück

Kommentare