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Mäuserich-Trio mit Mäusetante: Martin Böhnlein, Jörg-Tim Wilhelm, Ulla Wagener und Hermann J. Kogler (v.li).

Da schnurrt selbst die Katze

München - Drei Feinschmecker-Mäusebrüder gehen auf abenteuerlichen Plätzchen-Klau: Die Münchner Komödie im Bayerischen Hof zeigt "Anton – Das Mäusemusical".

Geben wir’s zu: So eine hungrige putzig-flink herumsausende U-/S-Bahn-Maus kann einem schon mal für ein, zwei Minuten die (Warte-)Zeit vertreiben. Aber viel, viel unterhaltsamer sind jetzt in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof drei Feinschmecker-Mäusebrüder auf abenteuerlichem Plätzchen-Klau. Mit „Anton – Das Mäusemusical“ bietet Prinzipalin Margit Bönisch, wie jeden Dezember, Theatervergnügen auch für die ganz kleinen Zuschauer. Wo ist es für Mäuse am Kuscheligsten? Klar, unter so einem plüschig-weinroten Wohnzimmer-Trumm wie dem Sofa der Hoffmanns (von Ausstatter Tomas Pekny Mäusedimensionen-gerecht hoch aufgebockt).

Da kann Anton nach Herzenslust auf seiner Geige herumkratzen und Franz zur Leibesübung eine Gabel stemmen. Martin Böhnlein, das Schwänzchen zum Notenschlüssel geschlungen, gibt ganz prächtig naiv-verspielt das musikalische Wunderkind Anton. Und Franz, alias Jörg-Tim Wilhelm, bekannt als Sparten-Jetter zwischen Singen, Lieder-Schreiben und Moderieren („Pumuckl TV“, KiKa u. a.), ist der Profi-Sänger in der Mäuse-Crew. Ja, und Willi, der Gourmet, schnuppert als Erster den Duft der frisch gebackenen Plätzchen: Das Mäuseschnäuzchen in die Luft gereckt, stöhnt er wonnevoll „Zimtsterne, Mandelmakrönchen“. Willi, das sieht man schon an kleinsten Rhythmus-Ruckungen, ist der Tänzer im Trio.

Hermann J. Kogler, früh im klassischen Ballett geschult, hat hier auch die Choreographie besorgt. Die muss/soll bei einem Kinder-Musical nicht unbedingt kompliziert sein. Beine schwenken, ein paar lustige Hüpfer wie bei Ulla Wageners kesser Mäusetante Lizzy aus Berlin, reicht da schon. Aber für die Untersofa-Mitbewohnerin, Genoveva Mayers netzwirkende, bewundernswert gelenkige Spinne, hätten sich Kogler wie auch Regisseur Peter M. Preissler ein bisschen mehr einfallen lassen können. Denn den Pep bei dieser auf jüngstes Publikum zugeschnittenen Musical-Story von Pigor & Pigor und Jan Willem Fritsch bringt ja erst die szenische und schauspielerische Umsetzung: Der durchtrainierte Mäuserich Franz, in zünftiger Bergsteiger-Ausrüstung, stibitzt aus der oberen Hoffmanns-Welt die Plätzchen. Die umtriebige Tante Lizzy stiftet Schleckermaul Willi an, trotz Todesgefahr, den Schweizerkäse aus der Mäusefalle zu holen. „Mach’s nicht, mach’s nicht“, warnen helle Kinderstimmen aus dem Parkett. Bester Beweis, dass die kleinen Zuschauer ganz in die Geschichte eingetaucht sind. Und sicher nicht so kritisch wie Erwachsene kleine Unebenheiten bemerken (die Sofa-Säuberung: ein etwas schlampig inszeniertes Schattenspiel).

Insgesamt ist es ein echtes Weihnachts-Musical, in Anti-Micky-Maus-Kostümen, mit beschwingten Melodien (live begleitet von Alexander Grünwald an Sampler und Keyboard) und aufgejazzten Katzen-Songs. Ach ja: die Katze. Die stand, oh Schreck!, auf dem Wunschzettel der Hoffmann-Tochter. Keine Panik. Anton spielt ihr was vor. Diese musikalisch empfängliche Katze hat plötzlich nicht Tränen in den Augen, sondern einen Notenschlüssel – schnurrt und schlummert ein. Alles gut.

Von Malve Gradinger

Vorstellungen:

Bis 30. 11., 10 Uhr. Auch bis 21.12., 10 Uhr; 14./ 21. 12., 16 Uhr. Tel.: 089/ 29 16 16 33. Gruppe: 089/ 29 16 05 30.

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