Zur schönen Aussicht

- München - ganz bestimmt eine Stadt mit viel Kultur. Aber was die Anregung von außen betrifft, so konzentriert sich das hierorts mehr oder weniger auf Spielart und Dance, die beiden alternierenden, jeweils im Herbst stattfindenden Festivals. Dazwischen herrscht - die große Lücke. Nun besteht die schöne Aussicht, darüber hinaus und in loser Folge ein paar internationale Theater-Tendenzen mehr zu sehen. Am 19. Oktober startet im Gasteig die vom Münchner Spielmotor e. V. veranstaltete, vorerst noch als Modellversuch bezeichnete Reihe "Perform! Perform!"

Anlass sei das 20-jährige Bestehen des Gasteig-Kulturzentrums, so Geschäftsführerin Brigitte von Welser. Es darf jedoch vermutet werden, dass von Welser, lange Jahre im Kulturreferat engagiert zuständig für den Bereich Theater, Tanz und Musik, auch ohne dieses Jubiläum über kurz oder lang rührig geworden wäre: um nämlich neben der Hauptbestimmung der Gasteig GmbH als Spielstätten-Vermieter den Carl-Orff-Saal und die Black Box auch selber auf hohem künstlerischem Niveau zu nutzen.

Reisen um die Welt

Soeben gab sie zusammen mit dem langjährigen Spielart-Leiter Tilman Broszat die Pläne bekannt, während der Dritte im Bunde, die Kulturstiftung der Stadtsparkasse München, schon mal feierlich einen Scheck über 50 000 Euro überreichte. Ein weiteres finanzielles Standbein ist die Gasteig-Kulturstiftung, deren Gründung gerade beschlossen wurde. Mit erhofften Einzelspenden könne, so von Welser, die Reihe ausgebaut werden. Die Chancen stehen gut - bei schon bestehenden Strukturen: Broszat, der für sein Spielart ohnehin um die Welt reist, kann gleichzeitig Gruppen für diese neue Reihe entdecken. Einer der "Perform!"-Gäste aus Argentinien tritt sogar während, also praktisch als Teil des diesjährigen, vom 17. 11. - 3. 12. stattfindenden Spielart-Festivals auf. Da wird der angestrebte Synergieeffekt fast schon ein bisschen überstrapaziert - aus der Not immer knapperer Kassen.

Immerhin hat "Perform! Perform!" eine ganz eigene Zielsetzung. Broszat: "Wir wollen keinen radikalen Standpunkt einnehmen, mehr so eine Art kulturpolitischen Mittelbau zwischen den großen Häusern und den kleinen Ereignissen der freien Münchner Szene schaffen."

Was er sich letztlich wünscht, ist ein kreativer Austausch zwischen den verschiedenen Kunstbereichen und Künstlern, "so wie es in Hamburg oder Berlin ja bereits verwirklicht ist. In München arbeitet jeder noch für sich selbst." Vielleicht ist "Perform! Perform!" ja der Grundstein für eine neue, grenzüberschreitende Künstlervereinigung.

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