Von der schönen Leichtigkeit des Bauens

- Kuschel-Wohner, die auch kleine Fenster noch mit dicht gefältelten Stores verhängen, damit nur ja keiner hinaus- und hineinschauen kann, wird bei Werner Sobeks Haus R 128 Entsetzen umfangen: rundum alles Glas. Dieser helle Würfel an den Hängen Stuttgarts, ein Null-Energiehaus, hat Sobek populärer gemacht als Wolkenkratzer oder Stadionüberdachung.

<P> Und so beeilt sich der Gründer des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren, mit unerschöpflicher Geduld zu versichern, dass man nicht in genau so einem Haus der Zukunft leben muss, dass R 128 und das geplante R 129 - flach wie ein Regentropfen auf dem Fensterbrett - zum Ausprobieren da sind.<BR><BR>Deswegen heißt die Ausstellung im Architekturmuseum in der Münchner Pinakothek der Moderne "Show me the future/ Wege in die Zukunft - Engineering und Design von Werner Sobek". Und damit "Zukunft" richtig toll daherkommt, muss sie "natürlich" in Englisch angekündigt werden - selbst wenn der kreative Könner aus Schwaben stammt und in einem bayerischen Museum präsentiert wird. Übrigens sehr elegant in dunklem Steingrau und Metall, sehr anschaulich mit Filmen, Fotos, Materialdetails, etwa zum textilen Bauen oder Bruchverhalten von Glas, mit filigranen Verknüpfungselementen, die dann in ihrer Vielheit gigantische Fassaden halten, Modellen und sogar mit einem Zeltstückchen aus der Beduinen-Welt des hochtechnisierten Zeitalters. Die Erläuterungen sind klar, knapp, etwas zu spröde für ein breites Publikum - aber auf Deutsch . . .<BR><BR>Auch wenn es um Dehn-Messstreifen geht oder um metallbedampfte Glasscheiben, ist das eine Schau, die Schönheit zeigt und Spaß macht. Eine Schönheit, die zugleich Spielwiese ist für scheinbar verrückte Ideen. Diese erweisen sich jedoch als höchst praktisch, raffiniert und genau durchdacht in den Problemlösungen. </P><P>Das Wichtigste ist, dass die Gebäude umweltfreundlich sind. Das Haus R 128, das ohnehin keine Energie verbraucht, kann zum Beispiel rückstandslos zerlegt werden, denn alle Teile sind zusammengesteckt oder gehakt und sortenrein. Es ergibt sich kein Bauschutt. Solche Ideen müssen viel intensiver propagiert werden, da unsere Zukunft eine ist ohne fossile Brennstoffe. Und: Die Zukunft Deutschlands liegt in Erfindungen, die uns davon unabhängig machen und die letztlich den Export beflügeln werden.</P><P>Bis 29. August, Tel. 089/ 23 80 53 60, CD-Rom: 14 Euro.<BR></P>

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