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Schönheit des Bösen

- Fröhliche Musik? Franz Schubert soll einmal gesagt haben, es gebe keine. Selbst wenn diese Aussage aus dem Munde eines Mannes, der selbst gewiss nichts Fröhliches schrieb, Tendenz haben mag: Tatsächlich scheint Musik als Seelensprache besonders in der Lage, in die Abgründe menschlicher Existenz hineinzuleuchten.

<P>Zwei solche Stücke am Abgrund hat das Symphonieorchesters des BR zu einem so spannenden wie fordernden Abend gekoppelt (Münchner Gasteig): Peter Tschaikowskis erste und Sergej Prokofjews dritte Symphonie, beide in Konzerten nur selten zu hören, beide unterschätzt, wie Riccardo Muti und seine exzellenten Künstler zeigten. </P><P>Tschaikowskis Symphonien fangen im allgemeinen Bewusstsein frühestens mit der vierten an - schon in der etwas irreführend "Winterträume" genannten Ersten ist in nuce all das Katastrophale vorhanden, das später im Finale der Sechsten zu hoffnungslosem Abschied kulminiert. </P><P>Mutis karge, fast abgehackt wirkende Motorik wischt die wenigen sentimentalen Anwandlungen von der Oberfläche dieser Musik weg. Zurück bleibt, etwa in der Durchführung des Kopfsatzes, eine polyphon durchsetzte, vibrierende Unruhe. Im langsamen Satz werden Generalpausen zu Ereignissen erschreckten Verstummens, der Triumph des Finales bis in die Schlusskadenzen hinein hat, wie so oft bei Tschaikowski, etwas Gewaltsames.<BR></P><P>Auch bei Prokofjew blieb bei aller Transparenz der Gesamtklang dunkel glühend - den großartigen tiefen Streichern des Orchesters sei Dank. Was bei Tschaikowski in selbstquälerischer Manier sich nach innen wandte, kehrte sich hier expansiv nach außen: Albtraumhafte Geigen-Glissandi und gläserne Flageolett-Klänge sprachen im Scherzo von Schrecken und Schönheit des Bösen.<BR></P>

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