In Schönheit schwelgen

- Zehn Jahre hat es gedauert. Regierungen haben gewechselt. Gesetze mussten erlassen werden. "Das größte, langwierigste und schwierigste Projekt", wie Wenzel Jacob, Intendant der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, es charakterisiert, hat sich wahrhaft gelohnt: "Schätze der Himmelssöhne" brachte 400 ausgesuchte Kunstwerke aus den Sammlungen der chinesischen Kaiser erstmals nach Deutschland.

<P>Die Bundeskunsthalle musste allerdings der Hauptstadt den Vortritt lassen, dem Wunsch der Regierung von Taipeh entsprechend, aber in Bonn sind jetzt 80 neue Exponate zu entdecken. Berlin hatte nicht nur von der zähen Energie der Bonner und der Kompetenz der Kuratorin Ursula Toyka-Fuong profitiert, die dortigen Museen stellen ihrerseits eine Schau für Taiwan zusammen: von Goethe bis zur Moderne, die im Frühjahr 2004 in Taipeh präsentiert wird.</P><P>Die 700 000 Objekte des Palastmuseums in Taipeh sind für die Taiwan-Chinesen ein nationales Heiligtum. Erst in den 90er-Jahren hatte sich die Regierung dazu durchgerungen, einige Stücke ins Ausland zu geben. Beim Überfall der japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg wurden die Preziosen des Kaiser-Palastes unter größten Vorsichtsmaßnahmen evakuiert. Das geschah ein zweites Mal, als klar war, dass Maos Revolution nicht aufzuhalten war. Die flüchtenden Chinesen nahmen die Kleinodien mit nach Taiwan. In Rot-China verblieb, was man damals für nicht so wichtig hielt, Tibetica etwa. Die Hauptwerke der kaiserlichen Sammlungen sind also auf der Insel _ zum Ärger der rot-chinesischen Führung. Tsing-min Chao von der Taipeh Vertretung in München versuchte bereits in seiner Bonner Zeit, die heimatlichen Kunstschätze nach Deutschland zu holen. Erst das Garantiegesetz von 1998, in dem sich der Staat verpflichtet, alle ausgeliehenen Exponate zurückzugeben (auch bei Einspruch Dritter), machte den Weg zu einer Ausstellung frei.</P><P>So kann der Besucher ab morgen in Schönheiten von Kalligraphie bis Keramik, vom Neolithikum bis zur Ch'ing-Dynastie schwelgen. Der Katalog ist zum deutschen Standardwerk der Palast-Sammlung geworden; es wurden sämtliche chinesischen Texte und Gedichte, die zu sehen sind, übertragen. Schwerpunkte in Toyka-Fuongs Konzept sind die Beziehungen Mensch und Natur sowie Einzelner und höfische Gesellschaft. Faszinierend ist alles vom über 3000 Jahre alten Speiseopfergefäß über zart gewebte Tier-Studien bis hin zum unglaublich filigran gearbeiteten Ju-yi-Zepter (S-förmiges Glückssymbol) aus goldgefasstem Holz, entstanden im 19. Jahrhundert. </P><P>Bis 15. Februar 2004, Di./Mi. 10-21 Uhr, Do.-So. 10-19 Uhr, Fr. 9-19 Uhr, Katalog: 26 Euro; Tel. 0228/ 91 71 200, www. bundeskunsthalle.de. Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn.<BR><BR></P>

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