Schönheitsterror

- Saddam Hussein und Osama Bin Laden beraten vor ihrem nächsten Terror-Objekt, dem Big Ben. Auf einem anderen Foto sieht man ihren Harem. Skandalöse Realität? Alison Jackson hat die kühnsten Träume der Regenbogenpresse realisiert. Die mit Doppelgängern inszenierten Aufnahmen gehen an die Toleranzgrenze und stricken auch Gerüchte aus dem englischen Königshaus weiter. Krass und komplett irritierend hinterfragen die Fotos Klischees und Wertigkeiten, lassen an der Realität zweifeln und verweisen auf die Wirkung von Medien. Die Suggestionskraft der Scheinbilder in der Galerie Oliver Schweden ist bestechend (Damenstiftstraße 11, Eingang bei Brunnstraße 6).

Bei Daniela Rossell hingegen wirkt die Realität so unwirklich, dass man sich in ein Fotostudio versetzt fühlt. Die Mexikanerin hat die reichen, schönen, jungen Frauen ihres Landes so fotografiert, wie sie es selbst gerne wollten: die Blondine in weißem Pelz vor einer Sammlung ausgestopfter Tiere, die spärliche Bekleidete beim Schach vor dem Schmetterlingsbett. Sie alle erfüllen die Anforderungen der Modemagazine und präsentieren sich vor einem skurrilen Luxus, der Geschmack zur Geldfrage macht. "Terror Chic" sind die Ausstellungen bei Monika Sprüth und Philomene Magers betitelt, in der Ludwigstraße 7 geht es um den subtilen Schönheitsterror der Oberschicht. In der Schellingstraße 48 wird mit Installationen und Filmen der "echte" Terror in seiner Allgegenwärtigkeit gezeigt. <BR><BR>Schönheitsbegriffe, Porträt und Landschaftsbild sind die Themen, die Anke Doberauer in ihren Gemälden aufnimmt und verschiebt. Porträts von fast zu schönen Männern vor leuchtenden Signalfarben schwanken zwischen extrem naturalistisch und überhöht. Die Münchner Akademieprofessorin zitiert Goldgrund, Triptychon und Ikonen und versetzt das in den Alltag. Ein Aschenbecher wird dabei genauso präzise gemalt wie die zwei model-mäßigen Brüder in Boxershorts. Die Lasurtechnik sorgt mit Farbbrillanz und Changieren für eine entrückte Stimmung. Beim Landschaftsbild gibt sich Doberauer naturalistischer. Aber das Riesenpanorama scheint nur einheitlich, jede Leinwand hat eine andere Wetterlage. So entführen die Klassiker in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst ganz sanft in die Moderne (Wittelsbacherplatz 2, Eingang Finkenstraße). <BR><BR>Wissenschaftliche Technik und magischer Ausdruck sind die Gegensätze, die Stephan Reusse vereint. Er nähert sich mit einer wärmeempfindlichen Kamera den Objekten, die sonst zu scheu für Beobachtungen sind: Wölfe. Das Tier in seiner eleganten, fast schwerelosen Bewegung in Zeitlupe wird zum gleißenden Lichtstrahl in rot strahlender Landschaft. Das Flüchtige, das Ungreifbare, das Fremde entspricht genau dem Mythos, mit dem der Wolf belegt ist. Reusse hat seine Leidenschaft für die fast ausgerotteten Tiere auch in den Thermografien mit einem schimmernden Hauch von Anwesenheit festgehalten, den man in der Galerie Carol Johnssen genießen kann (Königinstraße 27).<BR><BR>Christoph Freimanns Ausgangspunkt ist Sachlichkeit pur: Seine Skulpturen waren Quader, die er später in ihre Flächen und Kanten zerlegte. Aus zwölf Winkeleisen bestehen jetzt seine Objekte, die auf den Spitzen schweben, Türme und Tore bilden und Stabilität und Leichtigkeit gleichermaßen ausstrahlen. Signalfarbe Rot: Gegen weiße Mauern und Sockel hebt sie sich spielerisch ab. In der Galerie Spielvogel zeugen handliche Formate von der Eleganz und der Vielfältigkeit der Industrienormen (Maximilianstr. 45).<BR><BR>Eine neue Galerie stellt sich ebenfalls anlässlich der Open Art den Münchnern vor: Die Wandergalerie von Stephanie Bender (089/ 954 898 59) präsentiert im Kulturkiosk Kanzler, Gabelsbergerstraße 55, bis zum 24. September Arbeiten der in München lebenden Koreanerin S'nim Oh. Bender hat tatsächlich keine festen Räume und sucht von Fall zu Fall eine Kunst-Zuflucht.<BR>

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