Schönrede-Nebel

- Irgendwie musste man ja - bei dermaßen reiflicher Überlegung - annehmen, dass Kunstminister Thomas Goppel noch einen Wunderknaben an Ballettchef auftischen würde. Die ganze Spannungsmache umsonst: Ivan Liska bleibt dem Bayerischen Staatsballett als Direktor auch nach 2006 erhalten - auf weitere fünf Jahre.

Erst jetzt steht die Vertragsverlängerung fest, während Staatsschauspiel-Intendant Dieter Dorn schon letzte Weihnachten gebeten wurde zu bleiben. Dieser auffallend späte Entschluss doch noch für Liska wird nun nachträglich verpackt in eine Schongang-Diplomatie: der Ansturm von Aufgaben eines frisch angetretenen Ministers, Zugzwang bei Dorn et cetera, et cetera . . .<BR><BR>Im Schönrede-Nebel dennoch scharf umrissen: Mögen hätte man einen Neuen schon wollen, gefunden hat man nur keinen. Wenn man denn überhaupt gesucht hat - auch mal über den deutschen Dunstkreis zwischen Hamburg und Berlin hinweg. Erstaunlich: Nicht erste Wahl zu sein, steckt Ivan Liska offensichtlich weg. Auch die Wartezeit hat er gelassen ausgesessen. Solche Zähigkeit hat durchaus etwas Positives. Pluspunkt auch die Tourneen nach Kanada, Prag, im Juni nach Athen und in die Türkei, die für einen gewissen Bekanntheitsgrad sorgen. <BR><BR>Die künstlerische Auf-/Erregung hierorts hält sich allerdings in Grenzen. Liskas Durchmischung des (neo-) klassischen Repertoires mit modernen Stücken (auch Ladenhütern), Tendenz steigend, ergibt ein weltweit gängiges Quer-durch-den-Garten-Repertoire. Richtig harte Klassiker, so die logische technische Konsequenz, kann das Ensemble wie noch unter Konstanze Vernon nicht mehr brillant tanzen. Gerade damit wäre ein besonderes Profil zu gewinnen gewesen. Mit Kreationen ist eh "tote Hose". Nun bleibt erst mal alles genau so, wie es war. <BR><BR>Trotz Sparzwang keine Streichung des Gärtnerplatz-Balletts oder Zusammenlegung mit dem Staatsensemble. Über kostengünstigere Strukturen sollen die Chefs demnächst gemeinsam nachdenken.

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