Schöpfungsgeschichte

- Gott als Künstler und Handwerker im Atelier - das ist "Die Schöpfung" von Helme Heine (1941 in Berlin geboren). Der Autor und Illustrator hat mit seinen Ideen nicht nur ein berückendes Buch für alle Generationen geschaffen, sondern zudem den Grundstein für eine Vertonung des bombastischen Themas gelegt. Die Genesis, an die sich seit Haydns Denkmal von 1798 kein Komponist mehr herangetraut hat, wurde heuer in München mit Mitgliedern des Bayerischen Staatsorchesters uraufgeführt.

In dem gebürtigen Freisinger Reinhard Seifried hat Heine einen kongenialen Mitstreiter gefunden.

Sie haben Betriebswirtschaft studiert. Wie kommt man dann darauf, Kinderbücher zu machen?

Heine: Ich fand die Kinderbücher zu eindimensional, die es damals zu kaufen gab in Südafrika, wo ich zwölf Jahre meines Lebens verbrachte. Also setzte ich mich hin und schrieb und zeichnete "Das Elefanteneinmaleins".

Was ist die besondere Herausforderung bei Kinderliteratur?

Heine: Den Mut zu haben, elementare Geschichten zu erzählen - über die Liebe, den Tod, Freundschaft, Hass - in einer kraftvollen Sprache, ohne kindisch zu werden.

Machen Sie einen Unterschied zwischen Illustrationen für Kinder und Erwachsene?

Heine: Die Illustration ist eine Weltsprache, die von allen Menschen jeden Lebensalters, jeder Kultur verstanden und "gelesen" werden kann.

Wie wichtig sind Bücher im Vergleich zu anderen Medien?

Heine: Die Welt wird immer uniformer. Wir sehen die gleichen TV-Serien, kaufen die gleiche Markenkleidung in den gleichen Geschäften, unsere Häuser sind genormt, die Autos, die Computerprogramme, eigentlich fast alles. Ist es nicht wunderbar, dass es die Bücher gibt, durch die wir uns die eigenen individuellen Bilder der Helden und Landschaften in unseren Köpfen schaffen dürfen?

Sie haben sich an die "Schöpfung" gewagt. Gab es einen konkreten Anlass?

Heine: Ich besitze eine Aufnahme der Haydn-"Schöpfung" mit Fritz Wunderlich und Gundula Janowitz, die mich bis auf den heutigen Tag tief bewegt.

Sie haben eine lockere Interpretation für ein an sich ernstes biblisches Thema geschaffen. Wie sehr liegt Ihnen die christliche Botschaft am Herzen?

Heine: Ich bin dieses Thema überhaupt nicht locker angegangen, ich habe es nur in unsere Zeit übersetzt. Im Mittelalter wurden Adam und Eva wie unsere Großeltern dargestellt. Zu Beginn der Neuzeit wurden sie zu den Twens, wie wir sie kennen. Ich habe sie als Menschen-Kinder gezeigt, die Gott aus Lehm gestaltet. Ein anderes Beispiel: Bis vor wenigen Jahrzehnten glaubten die meisten Menschen, das Paradies müsse aussehen wie eine Karibik-Insel, warm und sonnig. Heute sprechen wir im Plural von den bedrohten Paradiesen, den Meeren, der Arktis, den Urwäldern. Das dritte Beispiel: Ich habe Gott als Schöpfer gezeichnet, als Künstler in seinem Atelier, wo man auch die Geschöpfe im Entwurf sieht, die im Laufe der Evolution ausgestorben sind.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Reinhard Seifried?

Heine: Reinhard schuf zuerst eine Klavierfassung, angeregt durch meine Illustrationen, aber frei. Danach wurde diskutiert. Es war wunderbar.

Das Gespräch führte Freia Oliv.

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