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Auf der Bühne stehen und singen – das war von Kindheit an Tim Bendzkos Traum.

Interview mit Tim Bendzko („Welt retten“) zum Konzert in München

Schon der kleine Tim wusste, dass Bendzko eines Tages singen wird

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Er ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger – jetzt spielt Tim Bendzko in München. Wir trafen den 32-Jährigen vor seinem Konzert in der Olympiahalle zum Gespräch.

München – Bereits als Kind hatte er sich ausgemalt, wie es ist, erfolgreich zu sein. „Ich hatte immer das Gefühl, das ist keine Sache, die man sich wünscht, sondern das ist eine Sache, die ist schon passiert, und ich schaue mir das jetzt mal an“, sagt Tim Bendzko rückblickend. In unserem Gespräch mit dem 32-Jährigen geht es um Träume und den Mut, Dinge einfach anzugehen.

„Wenn ich neue Musik mache, möchte ich jedes Mal ein Stück näher an diesen musikalischen Kern herankommen“, sagten Sie vor der Veröffentlichung Ihres aktuellen Albums. Wie nah sind Sie mittlerweile dran am eigenen Kern?

Tim Bendzko:   (Lacht.) So wie das Album geworden ist, das ist genau das, wo ich hinwollte. Das ist der Kern. Der Ausgangspunkt, von dem aus ich jetzt die Möglichkeit für neue Sachen habe.

Das heißt, mit der Platte bauen Sie eine Brücke zu völlig neuen Tönen?

Tim Bendzko:  Ja, warum nicht. Sasha ist da, finde ich, ein supergutes Beispiel. Der hat mehrere Alben gemacht, die sich im Prinzip sehr ähnlich sind – zumindest oberflächlich betrachtet. Und danach dann diese Dick-Brave-Sache.

Haben Sie nicht Sorge, wie die Fans auf einen solchen Stilbruch reagieren würden?

Tim Bendzko:  Joah... Damit darf man sich nicht beschäftigen. Sich danach zu richten, wovon man glaubt, dass es Menschen von einem erwarten, ist völlig sinnlos. Da verschwendet man sehr viel Lebenszeit und Kraft darauf, um dann festzustellen, dass man es nicht allen Recht machen kann.

Hatten Sie immer die selbstbewusste Haltung zu sagen: Das ist mein Ding, und mir ist egal, was andere davon halten?

Tim Bendzko:  Beim ersten und gerade beim zweiten Album hat man schon die ein oder andere Kritik gelesen und gedacht: Mensch, hätte ich das nicht vielleicht doch besser anders machen sollen? Das habe ich jetzt bei dem aktuellen Album wirklich gar nicht. Mir ist bereits beim Schreiben bewusst, dass es natürlich Menschen geben wird, die das für den lächerlichsten Firlefanz der Welt halten. Das ist völlig in Ordnung. Ich finde aber, dass man immer anerkennen muss, wenn jemand aus dem Nichts etwas schafft. Ob mir das nun gefällt oder nicht, ist erst mal wurscht. Man muss anerkennen, dass einer da viel Liebe, Zeit und Kraft investiert hat. Was mich schrecklich aufregt, ist, wenn ich Konzertkritiken von Menschen lese, die zu 100 Prozent nicht dabei gewesen sind.

Wie reagieren Sie darauf?

Tim Bendzko:  Ganz am Anfang habe ich den Support für Joe Cocker gespielt in Dresden, da war das Album bereits draußen. „Welt retten“ war ein Riesenhit. Und dann kommt so eine junge Frau zum Interview und fängt an, Sachen zu fragen, bei denen ich sofort gehört habe, die hat sich keine Sekunde mit mir beschäftigt. Dann sagt original: „Jetzt kommt ja bald dein erstes Album heraus – bist du da schon aufgeregt?“

Autsch.

Tim Bendzko:  Genau. Da habe ich ihr gesagt: Der Grund, weshalb du hier sitzt, ist der, dass dieses Album überraschend erfolgreich ist. Und sie zu mir: Ja, ich bin ja nur die Praktikantin, und eigentlich will ich das gar nicht machen. Das ist natürlich mein wunder Punkt. Da habe ich ihr erst mal einen Vortrag gehalten (Lacht.): Damit brauchst du mir nicht zu kommen. Wenn du das nicht magst, dann mach es doch einfach nicht. Noch dazu nimmst du anderen etwas weg, die den Job wirklich gerne machen würden.

Aber ist es immer so einfach, das zu tun, was man will?

Tim Bendzko:  Natürlich! Das ist deine Entscheidung, immer deine Entscheidung. Auch wenn das manchmal anders aussieht. Aber du hast immer die Wahl zu sagen: Mach ich nicht. Immer. Also in unseren Breitengraden. In Deutschland ist es ja wirklich das Einfachste der Welt, zu sagen: Nö, möchte ich nicht. Ich möchte doch lieber Bootfahrer werden.

Sie haben Ihren Job als Auktionator gekündigt, um Musik zu machen. Sie sind ein mutiger Mensch, oder?

Tim Bendzko:  Ich finde einfach: Man muss besondere Sachen tun, um besondere Sachen zu schaffen. Ich bin ein großer Fan davon, sich weit aus dem Fenster zu lehnen, wenn alle sagen, dass das gar nicht gehen kann. Ich habe 15 Jahre lang behauptet, ich werde Sänger. Nicht im Sinne von: Ich wünsche mir das, sondern „Das wird passieren“. Ich wurde von allen belächelt. Doch es ist wirklich so passiert, ich wurde Sänger. Das bestärkt einen.

Es klingt so einfach. Aber es ist auch eine Menge Arbeit.

Tim Bendzko:  Klar, es gibt 100 Ausreden, die man finden kann, nicht anzufangen. Wenn ich jetzt eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern wäre, wäre das eine viel, viel schwierigere Entscheidung, beispielsweise meinen Job aufzugeben. Aber auch da finden sich Lösungen. Immer wieder trifft man Menschen, die einem erzählen, was sie alles gern machen würden. Und ich sage immer: Mach’ es! Jetzt, sofort. Du brauchst keine Esoterikbücher zu lesen, das Einzige, was du wissen musst, ist: Wenn du eine Sache tun willst, tu sie. Es wird niemand kommen, dich an die Hand nehmen und es dir abnehmen.

Wenn der kleine Tim Sie heute sehen würde, was würde er sagen?

Tim Bendzko:  Jetzt wird’s richtig philosophisch. Das Lustige ist ja, der kleine Tim hat das schon gesehen. Das klingt komisch, aber ich wusste, dass das passiert. Ich hab das wirklich en Detail durchgespielt. Jeden Tag hab ich darüber nachgedacht, wie das sein wird, wie ich das Mikro halten werden, wie ich ins Publikum singe...

Und wo haben Sie sich gesehen? Auf der Berliner Waldbühne?

Tim Bendzko:  Ja, ganz reale Orte. Die Waldbühne war der Endgegner. (Lacht.) Das ist natürlich absurd, dass es tatsächlich Realität geworden ist. Mein bester Freund spielt in meiner Band, und dem habe ich schon in der Schule erzählt, wie das später sein wird. Als wir dann vor einigen Jahren wirklich auf der Waldbühne standen, hab ich Gänsehaut gehabt, weil das für ihn unfassbar sein muss, dass wir jetzt wirklich beide in Berlin vor 20 000 Menschen spielen und die singen einfach jede Zeile mit. Das kann man niemandem erklären. Das ist unfassbar. Dann ist es auch irgendwie irrelevant, ob das dritte Album erfolgreicher wird als das erste. Weil wir jetzt exakt das Leben leben, von dem wir ausgegangen sind, dass uns das so passieren würde. Wohlwissend, dass sich das extrem viele Menschen  wünschen  und es wahrscheinlich fast niemanden davon treffen wird. Das ist dann schon ein bisschen abgefahren.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

Das Konzert:

Tim Bendzko kommt am 3. Juni ab 19.30 Uhr in die Olympiahalle. Karten unter 089/ 54 81 81 81.

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