Schräge Weihnachten

- Die sechs Herren sind ein bisschen spät dran, aber kaum stehen sie auf der Bühne der Münchner Philharmonie, versöhnen sie das Publikum für die Wartezeit mit einer virtuos schrägen Fassung von "We wish you merry Christmas". Schwer bestimmbare Geräusche, Worte und Schreie schwirren durch den Saal, aber irgendwie fügt sich das alles zu wunderschöner Musik.

Wie präzise und doch völlig entspannt das die sechs Sänger von Take 6 hinbekommen, ist bemerkenswert. Ihr Auftritt steht unter dem Motto "Joy to the world". Zelebriert werden soll damit das Fest der Liebe mit einer ebenso eigenwilligen wie faszinierenden Mischung aus Jazz, Gospel und Soul. Die A-cappella-Formation trägt seit 1988 die göttliche Botschaft in kunstvoll arrangierten Liedern vor und hat sich seither eine treue Fangemeinde ersungen.

Das mit der Gemeinde darf man wörtlich nehmen. Immer mal wieder tritt einer der Sänger vor und hält eine Kurzpredigt, die begeistert beklatscht wird. Take 6 will erklärtermaßen nicht nur Musik machen an diesem Abend, sondern auch an den Anlass von Weihnachten erinnern. "The reason for the season", wie sie auf Englisch so schön griffig erklären.

Höhepunkt ist ein fröhliches Wettsingen

Allzu getragen wird es dann doch nicht, schließlich sind die Mitglieder von Take 6 ausgebuffte Entertainer, die trotz des lockeren Auftretens mit den Stimmbändern hochprofessionelle, erstaunlich dynamische Klangwelten erzeugen und das Publikum mitreißen. Dabei profiliert sich insbesondere der gewaltige Bass Alvin Chea, der eine schier unerschöpfliche Auswahl an Klängen in sich trägt und die Zuhörer mit gelassener Selbstverständlichkeit zum Mitmachen bewegt.

Fröhlicher Höhepunkt ist dann am Ende das Wettsingen zwischen den Brüdern Joe und Mark Kibble, die es geschickt verstehen, eine einstudierte Nummer wie eine spontane Einlage wirken zu lassen. Nach gut 90 Minuten ist dann schon Schluss. Die Botschaft ist überbracht, die göttlichen Sechs müssen weiter.

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