Der Schrank der Königin

- Ein bissl Museum, ein bissl Dult, da eine Wunderkammer, dort ein feiner Salon. Mit rund 120 Ausstellern hat die 49. Kunst-Messe München die Halle A6 der Riemer Messe besetzt; einige Kollegen aus Spanien, Italien, Belgien und der Schweiz sind dazugekommen. Besucherfreundlicher sind die Abendöffnungen bis 22 Uhr von Montag bis Mittwoch, so Geschäftsführer Peter Henrich, und der handliche Katalog. Neu ist außerdem der "pro arte-Preis der Kunst-Messe München". Er geht an den BR-Redakteur Karl Strobel.

<P>Die Angebotsspanne zieht sich auch heuer von der Antike über mittelalterliche Skulptur, Renaissance-Zeichnungen, Rokoko-Porzellan, neogotische Sessel bis hin zu Werken der Klassischen Moderne von Picasso bis Macke und der Zeitgenossen von Tom Wesselmann bis Markus Lüpertz. Schwerpunkte liegen auf Möbeln, aber auch auf Porzellan und Fayence. An Bedeutung zugenommen hat erneut die Kunst von 1910 bis 1970. Besonders stolz ist die KMM auf das umfassende Aufgebot an Arbeiten auf Papier; es sei "einzigartig unter den Kunst- und Antiquitätenmessen". Unterbelichtet ist in diesem Zusammenhang allerdings die Fotografie, ein Sammlungsbereich der doch schon länger wichtig ist. Das zeigt die kleine Sonderausstellung mit Fotos aus den 20er-/30er-Jahren. <BR><BR>Für den Presserundgang hatte die KM Kunst-Messe GmbH als Führer keinen Geringeren engagiert als Hans Ottomeyer, Chef des Deutschen Historischen Museums, Berlin, und als Möbel-Papst vielen von der Antiquitäten-Sendung "Kunst und Krempel" bekannt. Aus seiner Sicht setzte er Akzente insbesondere auf Objekte, die stilbildend waren, und auf solche zu denen sich eine "Geschichte" erzählen ließ.<BR><BR>So erinnern die grimmigen Fratzen von keltischen Riesenköpfen (bei Chan) an die Kopfjägerei unserer Altvorderen, während die farbig gefasste Anna selbdritt nicht nur als frühgotische Plastik etwas Besonderes ist, sondern auch in ihrem anrührenden Ernst (Senger Kunsthandel). Große Freude beim Anblick des verschollenen Sekretärs von Königin Caroline von Bayern (1776-1841, Frau von Max I. Joseph), der im Schlösschen Biederstein stand. In den 30er-Jahren wurde es abgerissen. Gertrud Rudigier kann nun dieses fröhliche, helle Kirchbaum-Stück (1800) mit seiner ungewöhnlichen Lithodruck-Verzierung präsentieren. Und an den beiden Silberterrinen (bei Helga Matzke) und den dazu gehörenden Platten von 1730 lässt sich erläutern, dass auf diese Weise die Gefäße präsentiert gehören: Denn der Zauber der Lichtreflexe entfaltet sich nur so optimal. An diesen Terrinen ist zugleich zu sehen, dass der Silberschmied seine Verzierungslust zurückgenommen hat zu Gunsten strahlend polierter Flächen - eine typische Eigenschaft von Silber. Hier prägt das Material das Design.<BR><BR>Unter den "Trendsettern" fand Ottomeyer so unterschiedliche Exponate wie "Vases Nacelles", vasenartige Schaustücke aus farbigem Hartstein, verziert mit vergoldeter Bronze (bei Gierhards), die am Ende des 18. Jahrhunderts sehr begehrt waren. Ein Einstellungswandel hin zur Schlichtheit im Möbel manifestiert sich in dem "Damensalon" mit seiner zurückhaltenden Eleganz (Christian Eduard Franke) oder bei der ganz zurückhaltend gestalteten Kommode des Hoflieferanten Daniel für Schloss Nymphenburg von 1810 (Galerie am Herzogpark).<BR><BR>Bei den Gemälden gibt es eine bemerkenswerte Reihe der elegischen, gedämpft getönten Bilder Carl Hofers (Döbele, Westenhoff, Ludorff, Thomas). Terminus erinnert mit Bild und Plastiken daran, dass Jörg Immendorff ein wichtiger Künstler ist, und nicht nur wegen Kokserei im öffentlichen Interesse stehen sollte. Auch Münchner Künstler sind auf der Messe vertreten. Neben Münter vielerlei von Franz von Stuck (Krausz) sowie ein kleines bisschen Zeitgenössisches (Galerie Hermeyer): ein magisch verschattetes Tulpen-Stillleben von Peter Vogt und eine großformatige Foto-Arbeit von Beate Passow aus der "Lotuslilies"-Serie über alte Chinesinnen, die die Füße noch traditionell eingebunden haben.</P><P>Bis 20.20; Halle A6 (U2 Messestadt Ost); Karten zur Eröffnung am Samstag von 11-13 Uhr 20 Euro, dann von 13-20 Uhr 12,50 Euro; 18.-20.10. geöffnet von 13-22 Uhr; Katalog: 7,50 Euro; Tel. 089/ 1 57 73 49, www.KunstMesseMuenchen.de.<BR><BR></P>

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