Ich schreibe, seit ich schreiben kann

- Katja Huber fuhr gerade im strömenden Regen mit dem Auto, als sie der Anruf ihres Verlegers erreichte: Die Jury der 30. Tage der deutschsprachigen Literatur habe sie eingeladen, in Klagenfurt zu lesen. Was bedeutet: Sie ist eine Kandidatin für den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis sowie für einige weitere Preise, die bei den alljährlichen Lesungen vergeben werden.

Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass die 34-Jährige gebürtige Dießenerin die gute Nachricht erhielt, als sie selbst gerade mit einem Kollegen in Sachen literarischer Talentförderung unterwegs war. Denn Katja Huber ist Mitarbeiterin beim "Zündfunk" des Bayerischen Rundfunks und organisiert derzeit die "Bavarian Open Word": An drei Orten lesen einige noch unbekannte Autoren aus der jeweiligen Region.

Sie selbst hat schon Erfahrung mit Publikum, denn sie ist keine Autorin des stillen Kämmerleins, sondern ist mit kleinen Lesungen literarisch groß geworden. "Aber ich lese zum ersten Mal vor einer Jury", sagt Huber. "Ehrlich gesagt, ich hätte nichts dagegen, wenn das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden könnte." Doch die öffentliche Diskussion, live gesendet von 3sat, ist Teil des Klagenfurter Rituals. Und die mentale Vorbereitung darauf nur begrenzt möglich: Die Reihenfolge der Lesungen an insgesamt drei Tagen wird kurzfristig ausgelost.

Nur Verlage oder Literaturzeitschriften haben zuvor das Recht, Autoren für Klagenfurt vorzuschlagen. Bedingung ist, dass der vorgetragene Text noch nicht veröffentlicht wurde. Und so darf Huber nur verraten: "Es ist ein Auszug aus meinem zweiten Roman, der im Frühjahr 2007 erscheint. Er ist ein Scharnier zwischen zwei Teilen und funktioniert auch als geschlossene Geschichte." Bis vor kurzem bestand noch die Möglichkeit, Änderungen daran vorzunehmen: "Das allein war schon aufregend", erzählt die zarte Person mit den dunklen Augen. "Aber eigentlich habe ich nur noch etwas gekürzt."

Hubers erster Roman heißt "Fernwärme": Eine junge Frau verbringt ihren Geburtstag, anders als geplant, mit einem unbekannten russischen Cousin, erinnert sich dabei an die Geschichte ihrer Großmutter, auch an ihre Erfahrungen als Studentin in Stalingrad. Springt in Gedanken von München nach Berlin, nach Russland und wieder zurück. "Ich schreibe, seit ich schreiben kann", sagt Huber, als ob das selbstverständlich sei. "Natürlich standen am Anfang Pubertätsgeschreibsel und 80er-Jahre-Betroffenheitslyrik." Dann probierte sie sich an Kurzgeschichten aus, bewunderte Daniil Charms, versuchte Stile nachzubilden.

"Nach der Schule wurden die Versuche ernsthafter, die Formen länger." Und weil sie in Weilheim aufgewachsen ist, kam sie mit dem kreativen Umfeld des inzwischen etablierten Labels "Hausmusik" in Kontakt. "Die trauten sich was", und so traute sich auch Huber, mit der Illustratorin Marion Gerth einen eigenen kleinen Verlag aufzubauen, verkaufte auf Festivals ihre Büchlein. Bald folgten erste Lesungen, Huber wuchs in ein Netzwerk hinein, fand einen Literaturagenten, und der fand einen Verlag für sie. Immer weiter zogen sich die Kreise, bis nun schließlich nach Klagenfurt: "Ich freue mich auf die Gespräche und zu sehen, wo die anderen sich befinden."

21. bis 25 Juni; bachmannpreis.orf.at; Live-Übertragung in 3sat: Do. und Fr., 8.55-13, 15-18 Uhr; Sa. 8.55-13 Uhr; Preisverleihung So., 11 Uhr.

Katja Huber: "Fernwärme". P. Kirchheim Verlag, München, 140 Seiten; 15 Euro.

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