Wettbewerb

Schreiben Sie doch ein Kinderbuch!

Lesen ist toll. Dass das nicht nur fürs Zeitungs- lesen und grauhaarige Herrschaften gilt, beweist die Begeisterung für Kinder- und Jugendbücher. Die fachen wir, gemeinsam mit der Literaturagentur Michael Meller und dem Arena Verlag, nun weiter an – mit einem Schreibwettbewerb zu Kinder- und Jugendbüchern.

Wettbewerb:

Wir suchen die Autoren von Morgen!

Der Weg zum Buch beginnt für Mädchen und Buben voller Neugier. Das allererste Buch begegnet einem – in der Hand eines anderen. Als Baby sieht man die Erwachsenen oder größere Geschwister lesen – Stichwort: gutes Vorbild! Die sitzen still da, wollen nicht gestört werden, blättern ein bisschen in einem rechteckigen Ding, das sie einem nicht geben wollen, und werden sauer, wenn man es genauer „erforscht“. Schließlich möchte man doch als neuer Erdenbürger wissen, was da drinsteckt.

Was finden die Großen in dem raschelnden Zeug? Dass im Buch Geschichten stecken, die man nicht sehen, aber doch erleben kann, erfährt das kleine Bobberl erst beim Vorlesen. Damit wird die Grundlage geschaffen: Der zukünftige Leser wird auf den Geschmack gebracht – und trainiert mit viel Genuss Fantasie sowie Konzentrationsfähigkeit und, ja auch, das Still-Sitzen. Wer in dieser Lebensphase nicht eingeübt hat, ohne Fernseher und Computer die Vorstellungskraft zu aktivieren, schafft es wohl später auch nicht mehr, warnt Neurowissenschaftler Manfred Spitzer.

Denn was man beim Lesen erlebt, ist das wunderbar schöpferische Gefühl, dass Menschen und Tiere, Monster und Zwerge, Feen und Zauberer aus dem Papier spazieren – und aus dem eigenen Kopf. Wer jungen Menschen diesen Weg nicht öffnet, macht sie auf immer arm. Egal ob man mit seiner Heldin, zum Beispiel der Roten Zora, mitfiebert, ob man mit Harry Potter wegen blöder Erwachsener kichert und damit die eigenen Sorgen weglacht – die Bücher sind eine Lebenshilfe. Spannung, Freude, auch Tränen lösen sie in uns aus, aber schon das Kind merkt: Das sind erfundene, also fiktive Welten. Gerade heute geht die Angst um, dass durch die Dauerberieselung mit brutalen Computerspielen und Filmen die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischen. Leser sind dagegen gefeit – sie kennen von klein auf die Grenze.

Aber welches ist das richtige Buch? „Ein vortreffliches Buch: Erstens verschlingt man’s, zweitens liest man’s, drittens schafft man sich’s an“, bekennt die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) in ihrem Text „Aus einem zeitlosen Tagebuch“. Das „vortreffliche Buch“ ist natürlich für jeden Menschen ein anderes – und für jedes Alter auch.

Deswegen blüht in der Literatur eine unglaubliche Vielfalt: Fündig wird jeder, egal welchen Geschmack er hat. Wurden Karl-May-Schmöker von den 1930er- bis zu den 60er-Jahren von der Jugend – ja, eben – verschlungen, sind es heute die Zauberlehrlinge und zärtlichen Vampire, die Teenager faszinieren.

Bettina Volz, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung von Hugendubel am Münchner Stachus, bestätigt das: „Bei den Mädchen werden die ,Bis(s)‘-Romane von Stephanie Meyer sehr stark nachgefragt.“ Und ein vampirischer Nachfolger ist schon in Sicht: „Gegen das Sonnenlicht“ von Melissa Marr. Die Burschen stünden auf Fantasy. „Im Augenblick ist die Tier-Fantasy-Serie ,Warrior Cats‘ von Erin Hunter angesagt.“ Die Grenze zur Erwachsenen-Fantasy ist fließend, die „Eragon“-Reihe steht hoch im Kurs. Ein Titel, der im August erscheint, werde jetzt schon im Internet diskutiert. „Die Tribute von Panem“ hat nämlich keine Geringere als Stephenie Meyer empfohlen – es sei „eine aufwühlende Science-Fiction-Geschichte“.

Ähnlich urteilen Verlage. Zu Fantasy komme Mystery dazu, ein Hang zum Spirituellen, aber auch zu mehr Gewalt, hat man beim Münchner Hanser Verlag beobachtet. Antje Richers sieht den Hang zu Fantasy eher bei den jugendlichen Mädchen. Probleme erkennt sie beim Leseverhalten der Jungen, sie seien sehr schwer zu gewinnen. Umso mehr freut man sich über Andreas Steinhöfels „Rico“-Reihe, die Buben einfach mögen. Und bei den Kindern lieben – wie schon lange – Mädchen ihre Pferde und Buben die Piraten. „Da wird das Rad nicht neu erfunden“, schmunzelt die Fachfrau.

In unseren Tagen verstärkt sich also das Phänomen, dass Burschen viel zu wenig lesen, während die Mädchen Bücher höchst ungern weglegen. Eltern, Lehrer und Pisa-geschockte Politiker stöhnen wegen schwacher Schulleistungen der Buben. Die Sorge: Wer kein routinierter Leser ist – nur Buchstaben entziffern hilft nicht –, hat keine Chance, Informationen klar aufzunehmen und zu verarbeiten. Die späte Folge: schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt.

Aber zum Eintauchen in die fantastische Welt der Bücher kann man niemanden zwingen. Dafür braucht es literarische „Verführer“. Wenn Donald Duck und Asterix das sind – o.k. Wenn schaurige Fantasy- und Krimi-Stories oder spannende Wälzer über Abenteuer im Eismeer folgen, soll uns das recht sein. Lesen will trainiert sein – wie Inlineskaten, Reiten oder Dribbeln. Aber, bitte, Lesen nicht mit ödem Pauken verwechseln.

Lesen muss man nicht, lesen darf man. Lesen ist das selige Eintauchen in die Geschichte, die Handlung, ins Wesen ihrer Figuren und in den Stil. Anfangs hat der Jung-Leser noch Mühe, hangelt sich von Kapitel zu Kapitel, freut sich, wenn ab und zu im Meer der Buchstaben und Zeilen eine Illustration auftaucht. Aber irgendwann trägt ihn die Lust an den Stories hinweg. Ja, er sucht sogar die Herausforderung. 200 Seiten – pah! Es müssen schon 500 oder gar 700 Seiten sein.

Dieses Lust-Gefühl sollten wir Erwachsene dem Nachwuchs vorleben. Das bedeutet auch, nicht zu reglementieren. Comics sind genauso in Ordnung wie die Lektüre von „Artemis Fowl“ (Eoin Colfer). Das 50. Pferde-Buch für die junge Dame ist so wünschenswert wie die Lektüre von Isabel Allendes „Stadt der wilden Götter“. Bloß keine Vorschriften machen.

Die Lektüre muss weder aseptisch jugendfrei noch politisch hyperkorrekt sein, sie darf ruhig anstoßen: wie das „Tagebuch der Anne Frank“, Tahar Ben Jellouns „Papa, was ist ein Fremder“ oder Morton Rhues „Die Welle“. Junge Menschen merken, wenn ein Buch eine Wahrheit vermittelt, die uns ins Herz trifft. Wenn das ein Buch schafft, ist ein echter Leser geboren.

Am liebsten würde man Tag und Nacht lesen. Ist die letzte Zeile, der allerletzte Punkt erreicht, blättert man noch um – vielleicht gibt’s ja noch irgendwas zu lesen: So sehr wünscht man sich eine unendliche Geschichte. Die einen finden sie in „Harry Potter“ von Joanne K. Rowling, Karl Mays „Winnetou“ oder Cornelia Funkes „Tintenherz“, andere in Dickens’ „Oliver Twist“, Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ oder Kurt Helds „Rote Zora und ihre Bande“. Es geht um eine Liebe auf den ersten Blick – und nach so einer suchen wir mit unserem Kinder- und Jugendbuch-Schreibwettbewerb.

Simone Dattenberger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare